Freitag, 23. Januar 2026

Australien - im Westen was Neues

 Australien 


Lange hatten wir überlegt, welchen Teil dieses riesigen Landes wir bereisen wollen. Wir haben uns für Western Australia (WA) entschieden. Warum? Weil uns von verschiedenen Seiten berichtet wurde, dass WA noch sehr untouristisch sei. 


Da sind wir nun - auf dem roten Kontinent. 

Irgendwo im Nirgendwo. Da, wo das Handy nur noch das SOS-Symbol anzeigt und zwar schon seit über 100 km. 


Wir sind an Tag 12 unserer 16tägigen Campertour auf dem Weg von der Süd- zurück zur Westküste. Die Idee, relativ schnell mit einem Camper zu starten, zeigt sich im Nachhinein nicht als unsere Beste. 

Es sind Schulferien in Australien und gefühlt alle Einwohner von WA wollen campen. Wir lernen Campgrounds (ähnlich Stellplatz) kennen und dabei unsere Onboard-Dusche zu schätzen, und wir genießen auch den einen oder anderen Caravanpark (ähnlich Campingplatz). Als„Glamper“ fehlt uns doch das eine oder andere Ausstattungsutensil und es ist einfach nicht unser hyggeliger Bussi, mit dem wir unterwegs sind. Irgendwann geht es uns auch auf den Keks ständig zu suchen , wo wir noch unterkommen können. Und nach unserer einzigen „Wild Camping- Nacht“ auf einer riesigen Parkfläche einer Winery, in der wir am nächsten Tag zur Weinverkostung wollten, haben wir keine Lust mehr auf solche Aktionen. Zu oft müssen wir uns am Morgen von einer Angestellten anhören „this is privat proberty“ und zwar gefühlt 10 Mal in 5 Sätzen, die uns wie eine Gewehrsalve und im besten Schulmeisterton an den Kopf geknallt werden. Und da kommen wir auch gleich zum nächsten Thema- die Australier sind zum großen Teil für unseren Geschmack zu distanziert. Nur selten kommt man in ein kurzes Gespräch, denn selbst Grüßen fällt den Leuten auf den Caravan-Parks schwer. 

Dafür begeistert uns die Tierwelt umso mehr. „Hoffentlich sehen wir überhaupt mal ein Känguru“, sage ich zu Dennis. Er schafft es gerade noch mir ermutigend zu antworten, als wir im nächsten Moment bereits die ersten Hüpfer sehen. Tolle Tiere, die wir am Ende kaum noch zählen können. Im weiteren Verlauf begegnen uns Possums (ohne „O), Kurznasenbeuteltiere, Emus und riesige Pelikane. Am meisten haben es uns die Quokkas angetan - mit ihrem stetigem Lächeln machen sie einfach gute Laune. 

Leider hat Wildlife auch so seine Tücken: 

Am vorletzten Tag unserer Campertour kommen wir etwas spät von Busselton, das uns übrigens sehr gut gefällt, zurück zum Campingplatz. Es ist ca. 19:30, also gerade Sonnenuntergang. Die Geschwindigkeits-begrenzung liegt bei 100 km/h, wir fahren ca. 65 km/h als ein Känguru direkt vors Auto springt. Es kommt von rechts und durch den Linksverkehr bleibt noch etwas Zeit mit einer Vollbremsung zum Stehen zu kommen. Das Känguru wird noch berührt und dadurch etwas von seiner Bahn abgebracht, springt aber sofort weiter. Nach einem kurzen Schockmoment springen wir aus dem Auto und schauen dem Tier nach, dann schauen wir uns das Auto an - es ist nichts zu sehen - auch von dem Känguru nicht. Da haben wir alle riesig Glück gehabt.


Mittwoch, 7. Januar 2026

Singapur

 

„Oh, Singapur ist toll“ sagten uns vorher alle, denen wir von unserer Reiseplanung erzählten. Und es ist tatsächlich eine tolle Stadt mit sauberen Straßen, geordneten Regeln, die befolgt werden, und einem technischen Entwicklungsstand, von dem sich Deutschland eine Scheibe abschneiden könnte. Es ist z. B. völlig unkompliziert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren ohne eine Fahrkarte an einem Automaten kaufen zu müssen - einfach Kreditkarte „Tap*“ beim Einsteigen und „Tap*“ beim Aussteigen und überall kann man mit Karte bezahlen. Wir holen uns nicht ein einziges Mal Bargeld ab.

Für uns als Asien-Fans fühlt es sich aber merkwürdig an: Asien ohne exotische Gerüche, dafür mit distanzierten Menschen, ohne Verständigungsherausforderungen und eine Architektur, die einen glauben lässt, Singapur sei erst ein paar Jahrzehnte alt und hätte keine Geschichte zu bieten. 

Wir verbringen zum dritten Mal Silvester in Asien - jedoch zum ersten Mal mit Countdown und pompösen Feuerwerk - auch das ist sicher untypisch für Asien, zumindest am 31.12. eines Jahres. Aber das gefällt uns, auch wenn wir es in Ermangelung eines Ersatzrestaurants mit Eistee von Mc-Donalds begießen müssen. Warum das? Wir haben schon von Deutschland aus einen schönen Platz in einer Rooftop-Bar reserviert. Dort angekommen, bekommen wir auch einen Platz und eine Sprite - denn Cola ist bereits ausverkauft. Auf unser Essen warten wir jedoch 2 Stunden bzw. erfahren dann erst, obwohl wir auch zwischendrin mehrmals fragten, dass es nichts mehr zu essen gibt. Kurzerhand entschließen wir uns, uns auf den Weg zur Marina Bay zu machen, wo das große Feuerwerk stattfinden wird und unterwegs etwas zu essen und uns im 7/11 etwas Alkoholisches für Mitternacht zu kaufen.

Aufgrund der Zeitnot müssen wir abermals umschwenken und es bleibt dann nur McDonalds übrig. Das mag nun traurig klingen, aber wir sind am Ende froh, denn direkt im Menschenmeer am Meer das grandiose Feuerwerk ganz nah zu bestaunen, ist viel schöner als von Ferne einen Blick drauf zu haben. Somit bleibt zumindest das Gefühl gleich, das wir in Asien immer haben: Es hat alles seinen Sinn und am Ende wird es gut.


*Eine „Tap“-Kreditkarte nutzt NFC-Technologie (Near Field Communication) für schnelle, sichere Zahlungen, indem man sie einfach an ein kompatibles Terminal hält. 😉

Freitag, 5. April 2019

Wie man sich bettet...

Unten findet ihr unsere Unterkünfte in chronologischer Besuchsfolge. Camping- und Stellplätze sind nicht dabei.
In Klammern steht der Hinweis auf die Bewertungsplattform, auf der ihr unsere Erfahrung mit der jeweiligen Unterkunft nachlesen könnt. Bei Booking.com, AirBnB und Agoda könnt ihr diese lesen, wenn ihr euch das jeweilige Hotel aufruft und die Bewertungen aller durchscrollt, bei Trip Advisor kommt ihr hier direkt auf alle Bewertungen, die von uns sind:
https://www.tripadvisor.de/Profile/justbjones?tab=reviews&fid=6b167215-28bd-446f-bd38-9866d0184067


GRIECHENLAND

Thessaloniki - Grand Hotel Palace (TripAdvisor)
Athen - Best Western Candia Hotel (TripAdvisor)


IRAN

Teheran - Seven Hostel Teheran (TripAdvisor)
Shiraz - Sirah Hostel (TripAdvisor)


VAE

Dubai - Millennium Airport Hotel (TripAdvisor)


INDIEN

Goa - Khaama Kethna (TripAdvisor)
Mumbai - The Orchid (TripAdvisor)
Udaipur - Panorama Guest House (TripAdvisor),
Thamla Haveli (TripAdvisor)


SRI LANKA

Colombo - Green Olive Villa (2x) (Booking 10,0)
Hungama - AquaBeach Cabanas (TripAdvisor)
Komari - Hilltop Cabanas (TripAdvisor)
Ella - Ella Eco Lodge (Airbnb)
Delhousie- Hugging Clouds (Booking 9,2)


KAMBODSCHA

Kampot - Ganesha Eco Guesthouse (TripAdvisor)
Koh Rong - Tree House Bungalow (TripAdvisor)
Koh Rong Sanloem - Huba Huba resort (TripAdvisor); Natural Island Resort (TripAdvisor)
Siem Reap - Indochine Home D'Angkor (Agoda)


THAILAND

Bangkok - Rambuttri Village Inn (TripAdvisor)
Koh Chang bei Ranong - Sunset Bungalows (auf keiner Bewertungsplattform registriert;
wir fühlen uns dort seit Jahren wie zu Hause, auch wenn es sehr basic ist)
Bangkok - Montri Resort (Booking.com 7,1)


INDONESIEN

Bali, Singaraja- Homestay for volunteers (ohne Bewertung)
Bali, Ubud - Nandini Jungle Resort &Spa (TripAdvisor)
Bali, Nusa Dua - Sadara Boutique Beach Resort (Booking.com 7,9)
Sulawesi, Manado - Living peace house (TripAdvisor)
Papua, Sorong - Swiss Bell Hotel (TripAdvisor)
Sulawesi, Tomohon - Mointain View Resort & Spa (TripAdvisor)


THAILAND

Koh Samui - Phalarn Inn Resort (Booking.com 9,2)
Koh Tao - Moondance Magic View Bungalow (TripAdvisor), Saitong Bungalows (TripAdvisor)
Khao Sok - Baan Khaosok Resort (Trip Advisor)
Khanom - Leeloo Cabana Beach (Trip Advisor)
Bangkok - Chatrium Riverside (Trip Advisor)






Donnerstag, 4. April 2019

Die Rückkehr



Ich habe es mir nicht vorstellen können, wenn Reisende nach langer Reise keine Lust hatten, sich mit der “Aufarbeitung” zu beschäftigen. Aber mir ist es genauso ergangen. Klar haben wir gern alle Fragen beantwortet, wenn sie nicht gerade “Wie war’s?” und “Wo war es am schönsten?” hießen. Aber erst jetzt, ein Jahr nach unserer Rückkehr, sortiere ich die Bilder und arbeite an einer Fotostory. Es ist aber auch keine sehr leichte Rückkehr gewesen:
Am 28.02. landen wir bei minus 18 Grad in Berlin Schönefeld. Das ist für uns ein Temperatursturz von 47 Grad! Dann müssen wir noch eine Nacht aushäusig schlafen, da unser Haus erst ab 1.3. wieder frei ist. Am 1.3. kehren wir in unser etwas verändertes, aber klar wiedererkennbares Heim zurück. Nun heißt es Umzugskisten auspacken, Postberge bearbeiten und uns wieder bei unseren Katzen beliebt machen, die unsere Abwesenheit ansonsten gut überstanden haben. An meinem ersten Arbeitstag , am 5.3., erfahre ich, dass es meine Stelle nicht mehr gibt. Das ist erst einmal zu verdauen. Dennis entscheidet sich nun endgültig in die Selbstständigkeit zu gehen. Das bedeutet viel Organisation, Papierkram, Vorbereitung ...da ist es wiederum gut, dass ich von meiner Arbeit freigestellt bin. Alles Schlechte hat eben auch immer etwas Positives. Und als Ausgleich sind wir noch einmal einen Monat mit unserem Bussi, der inzwischen repariert ist, nach Südeuropa gefahren. Denn als ein Fazit können wir festhalten: Die Zeit ohne Bussi war genauso schön wie die Zeit im rollenden Zuhause. Aber letztere war einfach zu kurz. Wir wollen “Meer” davon.


Sonntag, 25. Februar 2018

Thailand, Klappe, die 2.

3 Flüge muss der arme Dennis hintereinander ertragen, damit wir ohne Zwischenstopp aus Sulawesi nach Thailand und direkt nach Ko Samui fliegen. Wobei auf Koh Samui nur der nächstgelegene Flughafen ist, es aber nicht unser Ziel darstellt. Nein, es geht am nächsten Tag gleich per Fähre weiter nach Koh Tao. Wir haben Glück, denn es ist nicht mehr sehr voll auf der Insel. Aber trotzdem suchen wir uns eine ganz kleine abgeschiedene Bucht und mieten uns lieber ein Motorrad, um bei Bedarf dort hinzufahren, wo es mehr Trubel gibt. Das Motorradfahren ist schon sehr aufregend. Es dauert eine Weile bis ich so viel Vertrauen in meinen Fahrer habe, dass ich meine Frage:“ Soll ich lieber absteigen, Dennis?“ nicht mehr bei jeder Geröllpiste mit 40 % Gefälle ausspreche. Auf Koh Tao sind die Serpentinen noch nicht erfunden, aber mit Erfahrung, Geduld, Gefühl und vor allem Helm kommt man trotzdem heil an. In unserer kleinen Bucht gehen wir direkt vom Strand aus schnorcheln. Es ist nicht umwerfend, wenn man die Unterwasserwelt Indonesiens zum Vergleich nimmt, aber dennoch schön. Besonders schön ist es, wenn der „erfahrene“ Taucher den fatalen Fehler begeht und den großen Fisch streicheln will. Dieser Fisch stellt sich nämlich als Titan-Drückerfisch heraus. Diese Fische sind alles andere als scheu und reagieren ungehalten, wenn man sie stört. Zum Glück gibt es vor einem Biss immer erst eine Warnung. Die reicht uns und wir suchen schnell das Weite.
In den nächsten Tagen erkunden wir ein bisschen mehr von der Insel, die seit 2011 schließlich eine ganz besondere Bedeutung für uns hat. Und damit ich nicht einroste, gehe ich zu Fuß die fast 8 km direkt über den Berg auf die andere Seite und treffe mich da mit Dennis - einer muss ja das Motorrad für den Rückweg dort hin bringen😉  Koh Tao ist wirklich auch schön zum Wandern, allerdings darf man sich nicht auf Komoot verlassen, denn da wird man gern mal einen Berg hochgejagt, der keinen Weg zur anderen Seite bietet. Man darf auch keine Thais nach dem Weg fragen, denn Thais laufen grundsätzlich nicht gern und eine solche Strecke „ no can go!“.
Wir bleiben insgesamt zwei Wochen und verlassen die Insel mit der Erkenntnis, dass wir noch immer nicht alles gesehen haben, obwohl Koh Tao nicht sonderlich groß ist.
Nach Strand und Meer wollen wir wieder Dschungel haben. Wir fahren daher nach Khao Sok. Anders als die meisten Besucher des gleichnamigen Nationalparks, die nur als Tagesausflügler kommen, schlafen wir direkt in dem kleinen verträumten Örtchen und wandeln neben und nicht im Nationalpark auf Naturpfaden. Somit entgehen wir den Touristenmassen, die in Bussen zum Park gekarrt werden. In Indonesien gab es zu viel, in Thailand zu wenig Regen. In der nun herrschenden Trockenzeit führen die Flüsse um den Park zu wenig Wasser, sodass unser Plan vom Rafting oder Tubing nicht umsetzbar ist. Dennoch finden wir ein anderes Highlight. Wir besuchen ein Elephant Sanctuary, in dem zwei freigekaufte ehemalige Arbeitselefanten ihren Alterssitz haben. Wir dürfen die grauen Riesen füttern und als besonderen Witz steckt die Tierpflegerin meinen Arm bis zum Ellenbogen ins Elefantenmaul. Es wird uns viel erklärt und als das Futter alle ist, geht es ins Elefanten-Spa. In einer braunen, stinkenden Brühe legen sich die Elis gemütlich hin und wir Besucher dürfen den Schlamm vom Grubenboden auf die dicke Haut der Elefantenkühe auftragen. Das kostet am Anfang etwas Überwindung, da man nicht weiß, woraus der Schlamm, den man gerade greift, besteht, aber dann überwiegt der Spaß und man sieht, wie es den Tieren gefällt. Anschließend kommt die Klarspülung im Fluss und die Trocknung auf dem Fußmarsch zurück zum Camp. Dann ist es schon wieder Zeit für eine Fütterung, denn wenn Elefanten gerade nicht schlafen, was sie nur 4 Stunden täglich tun, müssen sie essen.
Als letzte Station in Thailand, bevor es dann nach Hause geht, fahren wir nach Khanom, einem kleinen Ort an der westlichen Golfküste. Dort gibt es pinkfarbene Delfine und da es noch nicht viele Touristen in und um Khanom gibt und die Delfintouren tierfreundlich gestaltet werden, buchen wir eine solche. Leider spielt das Wetter nicht mit, denn bei Wind und hohen Wellen bleiben die kleinen Longtailboote an Land. So müssen wir dieses Erlebnis auch fürs nächste Mal aufheben. Ein kleiner Trost ist uns unser Ausflug zum Wasserfall, denn es ist tatsächlich das erste Mal, dass wir einen tollen Wasserfall mit Pool für uns ganz allein haben.
Am 24.02. fahren wir mit dem Nachtzug nach Bangkok. Dort gehen wir shoppen (endlich) und bereiten uns auf die Zivilisation vor (u. A. Pediküre, damit richtige Schuhe wieder passen). Dieses Mal schaffen wir es auch noch zu einem Fußballspiel zu gehen. Wir sind die einzigen Farangs (Ausländer auf Thai) und man beäugt uns neugierig. Da wir aber so schön mitjubeln, wenn die Gäste am Ball sind, nimmt man uns herzlich in die Fangemeinschaft auf.
Die Freude ist groß, wenn wir an Familie und Freunde denken. Aber es gruselt uns vor dem kalten Wetter und vor dem Alltag. Viel ist in unserer Abwesenheit geschehen, Gutes und Schlechtes. Und vielleicht haben auch wir uns verändert. Unser Leben wird nicht mehr so sein, wie es vor der Reise war. Aber mit der Einstellung, die wir uns als Souvenir mitbringen, wird es gut sein.





Sonntag, 18. Februar 2018

Indonesien

Nach dem Kinderheim belohnen wir uns: Dennis verwirklicht seinen lang gehegten Traum und geht auf Tauchsafari in Raja Ampat. Mich hat er für die eine Woche in einem Wellness-Dschungel-Resort auf Bali einquartiert. Es ist das erste Mal seit dem 01.09.2017, dass wir getrennte Wege gehen.

Meine Tage im Spa-Resort sehen ziemlich gleichförmig aus. Ich buche mir für jeden Tag eine Anwendung und alle zwei Tage fahre ich nach Ubud. Manchmal schlendere ich nur so durch die Straßen und schaue mir die Boutiquen oder von einer Caféterrasse aus die Menschen an. Großartig shoppen ist noch immer nicht möglich, denn wir reisen ja noch ein wenig weiter und im vorhandenen Rucksack ist kein Platz. Die Hauptattraktion in Ubud, der Affenwald, zieht auch mich an. Es ist erstaunlicherweise nicht voll, wie generell die gesamte Stadt. Ob das an der Regenzeit liegt oder daran, dass viel zum Mount Agung in den Medien war oder beides zusammen, kann mir keiner der Einheimischen so genau sagen. Die Regenzeit in Indonesien fällt recht unterschiedlich aus. Manchmal regnet es nur kurz und heftig, manchmal regnet es über 1 Stunde so stark, dass man eine Sichtweite von unter 20 Metern hat und manchmal nieselt es nur leicht. Nach meiner Tour im Affenwalt fängt es auch gerade wieder sehr stark an zu regnen und ich rette mich in ein Café. Ein unbekanntes, sehr lautes Geräusch lässt mich zusammenfahren und ich sehe, wie in der gegenüberliegenden Straße eine Häuserwand eines erhöht gebauten Hauses auf die Straße stürzt. Es ist ein sehr großes Glück im Unglück, dass in diesem Moment weder Autos noch Passanten auf der Straße sind. Für die Einheimischen gehören auch solche Unglücke, die durch Erdrutsche entstehen, zur Regenzeit dazu.
Wenngleich meine Unterkunft ein Traum ist, mit vorzüglichem Essen und besten Massagen, so freue ich mich doch, dass es bald weitergeht. Ich treffe mich mit Dennis in Sulawesi und ab da wird es dann hoffentlich auch wieder etwas spannender.

Umstehende, die unser Wiedersehen auf dem Flughafen in Manado beobachten, müssen denken, wir hätten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. Rund um die Uhr für eine lange Zeit zusammen zu sein, bringt offenbar nicht nur ab und zu Spannungen, sondern auch eine noch festere Bindung.
Glücklich sitzen wir also im Auto und haben eine Stunde Fahrt vor uns bis wir im MountainViewResort in Tomohon ankommen. Auf dem Weg berichtet Dennis von seiner Woche:

Ganz weit im Osten Indonesiens liegt mein Ziel, Raja Ampat...Divers Paradise, das eigentlich mehr zu Papua zählt. Der westliche Teil wurde vor einigen Jahrzehnten von Indonesien annektiert, nennt sich jetzt zumindest West Papua. Dass hier das Leben anders tickt, merke ich schon, als ich den Flughafen verlasse. Die Menschen und Leute sehen aus wie Eingeborene, die man aus Dokumentationen kennt. Fasziniert starre ich Sie an, versuche dabei nicht unhöflich zu wirken.
Ein paar Minuten später bin ich dann auch schon auf meinem Zuhause für die nächsten 7 Tage gelandet: ein kleines, aber sehr schönes Segelboot mit Platz für 12 Taucher und einer 8-köpfigen Crew. Ziemlich international geht es an Bord zu. Ein Paar kommt aus China, die anderen aus Schweden, Belgien, Holland und Portugal. Gary, mein Kabinennachbar, kommt aus England und ich bin der Quotendeutsche.
Das Tauchen selbst ist leider eher ernüchternd. Aufgrund der vielen Regenfälle in letzter Zeit, ist die Sicht unter Wasser doch ziemlich eingeschränkt. Dafür sind das Leben über Wasser und die Inselwelt ringsherum spektakulär. Zudem begleiten uns Delphine bei der Fahrt.
Ich komme bestimmt noch einmal in dieses phantastische Inselparadies, aber beim nächsten Mal dann wieder mit meiner Joanna, die ich auch schon nach wenigen Tagen mehr und mehr vermisst habe.

Von unserem Mountain View Resort , das von dem deutschen Auswanderer, Michael Leitzinger geführt wird, machen wir am ersten Tag einen Ausflug auf eigene Faust zum Wasserfall. Bevor wir diesen erreichen, sind wir bereits völlig durchnässt: Erst ist es Schweiß aufgrund der drückenden Hitze und den nicht ganz einfachen Wegen und dann kommt auch mal wieder der sintflutartige Regen. Der Wasserfall bei Kali ist gewaltig und da dies das untouristische Indonesien ist, muss man auch noch keinen Eintritt bezahlen. Aktuell ist der Vulkan Lokon wieder am Brodeln. Das erfahren wir so ganz nebenbei. Es ist, wie erwähnt, kein Touristenziel. Aber es macht uns keine Angst, denn wir sind auf dem gegenüberliegenden Berg untergebracht und nicht im Tal und die Gelassenheit der Einwohner ist uns ein Vorbild.
Am zweiten Tag schaffen wir es endlich zum ersten Mal, eine Wildwasserraftingtour zu machen. Wir haben einen mordsmäßigen Spaß und sind ein bisschen traurig als nach 1,5 Stunden schon alles vorbei ist. Das 5-Meter-Gefälle, das folgen würde, will man uns beim ersten mal noch nicht zumuten. Als es am Abend wieder regnet, entschließen wir uns schweren Herzens, unserer Tour „der Sonne entgegen“ ein Ende zu setzen. Osttimor und Papua Neuguinea werden verschoben. Wir wollen keinen Regen mehr.
Als Abschied von Sulawesi machen wir noch eine Tour in einen Nationalpark. Dort werden wir bei Ankunft von Schwarzkopfmakaken stürmisch begrüßt- so stürmisch, dass es Dennis warm den Rücken herunter läuft 😂. Nachdem er dann fertig entlaust ist, muss er den Affen abschütteln, denn der will mit Hilfe seiner Zähne die ihm unbekannten Leberflecken abknabbern. Im Dickicht des Dschungels führt uns unser Guide zu einem merkwürdig ausgehöhlten Baum. Wir müssen ganz genau hinsehen, aber dann entdecken wir sie: Niedlich wie kleine kuschelige Teddybären sitzen die Koboldmakis in den Löchern und schlafen, denn sie sind nachtaktiv. Wir haben einen wunderschönen, sonnigen und trockenen Tag. Uns kommen Zweifel, ob wir uns richtig entschieden haben. Aber es ist zu spät. Die Flüge sind gebucht.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Freiwilligenarbeit im Kinderheim in Indonesien

Unsere Herzen pochen wie verrückt. Werden sie uns mögen? Was werden unsere Aufgaben sein? Wie werden wir untergebracht werden? Wir fahren gerade die Auffahrt zum Narayan Seva Children’s Home herauf und schon springen die ersten Kinder vor und um das Auto herum. „Welcome“ und „Hello“ und irgendetwas auf Indonesisch dringt an unsere Ohren. Wir steigen aus und gefühlt 100 Kinderaugen starren uns an. Wir sind noch etwas unsicher, grüßen nur scheu zurück. Zum Glück kommt in dem Moment eine Didi auf uns zu und begrüßt uns. „Didi“, so erfahren wir später, ist nicht etwa ein Name. Es ist vielmehr ein Titel. Ein Titel für eine Frau, die ihre Liebe aufgrund ihres humanistischen Glaubens ausschließlich den Kindern zuteil werden lässt. Es gibt zwei Didis in Narayan Seva. Schließlich sind es auch sehr viele Kinder, bis zu 90, z. Z. „nur“ 76. Am Abend nach ihrer täglichen gemeinsamen Meditation gibt es einen Gesprächskreis. Am ersten Abend stellen sich alle Kinder mit Namen, Alter, Hobby und Schuljahr vor, und das auf Englisch. Da alle sozusagen Schwestern und Brüder sind, sind auch wir nun Sister Joanna und Brother Dennis.
Das Eis ist schneller gebrochen als erwartet, denn die Kinder sind alle sehr offen und sehr neugierig. Die Didis teilen uns keine Aufgaben zu. Sie geben uns absoluten Freiraum selbst zu sehen, was zu tun ist und was wir davon übernehmen wollen. Die erste Aufgabe, die wir uns suchen, ist ein Ausflug zum Wasserfall. Wir mieten ein Bemo, ein alter klappriger Transportbus, der auf wundersame Weise nicht auseinanderfällt, sondern 12 Kinder und uns transportiert. Trotz häufiger Regenfälle haben die Kinder einen schönen Tag. Für sie zählt es, einfach mal rauszukommen. Sie stören sich nicht daran, dass wir nicht im Pool des Wasserfalls baden können.
Natürlich haben wir auch nicht so schöne Aufgaben für uns gefunden: Wir reparieren die Wanduhren, helfen bei der Gartenarbeit mit, stellen das Basketballnetz wieder her und helfen beim Putzen und bei den Hausaufgaben. Fußballspielen ist natürlich Dennis willkommene regelmäßige Kinderbeschäftigung während ich ihnen Grundsätzliches zum Volleyball erkläre oder mit den Kindergartenkids am Vormittag Parcours spiele. Den größten Spaß haben wir, als wir ihnen Völkerball beibringen. Sie verstehen schnell und spielen mit lautem Gekreische und Gejohle.
Natürlich fahren wir ein zweites mal zum Wasserfall, damit noch andere Kinder in den Genuss kommen, und schließlich hat der Norden Balis auch verschiedene zu bieten. Der Strand ist 30 Minuten von uns entfernt, sodass wir auch zweimal Ausflüge dahin veranstalten. Und zu guter letzt laden wir wiederum andere Kinder ein, dieses Mal 18, mieten zwei Bemos und fahren zu einem Schwimmbad, das sich aus einer heißen Quelle speist. Lediglich zwei Kinder können schwimmen, die anderen lassen es sich aber erklären und haben auch Vertrauen, sich von uns halten zu lassen,  sodass am Ende des Tages zwei weitere Kinder schwimmen können. Die wichtigste aller Aufgaben, so ist uns heute klar, ist einfach für die Kids da zu sein. Sei es, dass die Kleinsten nur gekuschelt werden oder die Mittleren mit uns im Baumhaus toben oder die Größeren ihr Englisch aufbessern und ganz nebenbei etwas von unserer Kultur und Lebensweise erfragen und erfahren können. Zu ihrer ganz speziellen Kinderheimkultur gehört, dass alle Geburtstage eines Monats an einem bestimmten Tag gemeinsam im jeweiligen Monat gefeiert werden. Somit hat Dennis Glück und kann bereits am 18.1. seinen Geburtstag gemeinsam mit den anderen Geburtstagskindern feiern. Endlich darf er mal wieder tanzen, weil er das so gern macht. Und das auch noch als Singledance auf der Bühne der Geburtstagskinder, denn schließlich sind im Narayan Seva alle gleich.
Die Verabschiedung fällt schwer, denn alle sind uns ans Herz gewachsen. Die Tage waren anstrengend und wir freuen uns auf die arbeitsfreie Zeit. Doch die Kinder werden wir vermissen. Wir versprechen nicht, dass wir auf jeden Fall wiederkommen, so wie es die Kinder von uns hören wollen, aber wir versprechen, dass wir, wenn wir wieder auf Bali sind, auf jeden Fall vorbei kommen werden.