Mittwoch, 11. März 2026

Unser dritter Monat

Lange haben wir gegrübelt, diskutiert und Recherchen angestellt. Beinahe wären wir nach Papua Neuguinea gereist. Auch Fidji und andere Inseln haben wir in Betracht gezogen. Am Ende war es immer die Abwägung von Wetterbedingungen, die wir erwarten können und den Kosten, die wir haben würden, ohne Sicherheit, dass die Regen-  und Taifunzeit uns die letzten Tage nicht vermiest. Hinzu kommt, dass noch ein neues Land zwar verlockend wäre, jedoch die Erholung von den vielen neuen Eindrücken auf der Strecke bleiben würde. 

Daher besuchen wir zum Schluss noch ein bisschen Australien (Regenwald und Magnetic Island) und ***Trommelwirbel*** Bali und Nusa Lembongan. Indonesien kennen wir und wissen, dass wir dort nichts anderes machen als Hängematte, Schnorcheln und Massage. Die, die uns kennen, wundern sich vielleicht, weshalb es nicht wieder nach Thailand geht. Das hat rein logistische Gründe - die Flugstrecke ist viel kürzer. 

Der Ausflug in den ältesten Regenwald der Welt (Daintree Forest) führt uns über einen grandiosen Highway. Der Cook Highway führt immer am Pazifik entlang und immer weiter ins tropische, dichte, feuchte Grün des Regenwaldes. Bei Ankunft in der extrem abgelegenen Unterkunft, die man nur über Fähre erreicht, regnet es und regnet auch noch als ich plötzlich nach dem Abendessen extreme Gesundheits-probleme bekomme. Dennis wartet nicht lange, ruft unverzüglich die Ambulanz. Dann kommen die längsten zwei Stunden unseres Lebens, denn so lange dauert es, bis der Wagen da ist. Es werden einige Untersuchungen vorgenommen und dann wurde entschieden, mich ins Krankenhaus zu bringen. Und es regnet weiter. Nach etlichen Untersuchungen und Infusionen bin ich in der Lage ein Lebenszeichen an Dennis zu senden. Er darf mich am Morgen abholen. 

Es regnet noch immer und die Abgeschiedenheit unserer Unterkunft veranlasst Dennis zu einer weisen Entscheidung: Er packt alles zusammen und nimmt am Morgen die erste Fähre und holt mich mit Komplettgepäck aus dem Krankenhaus ab.

Wenige Stunden später sind die Straßen zu unserer Unterkunft bereits unpassierbar und die Fähre wird von einem Boot dermaßen gerammt, dass sie auf unbestimmte Zeit nicht mehr fahren kann. Wir sind dieser Falle nur knapp entkommen. Wir haben mal wieder Glück im Unglück, auch wenn ich noch 7 Tage mit den Folgen einer vermutlichen Vergiftung (Lebensmittel oder Pestizide) zu tun haben werde.

Als Abschluss lernen wir noch eine unglaublich schöne Seite von Australien kennen. Magnetic Island ist landschaftlich großartig und die Tiere lassen uns alles vergessen. Es gibt dort nämlich nicht nur Koalas in freier Wildbahn, auch Rock-Wallabys. Diese Miniaturkängurus fressen den Menschen aus der Hand und wenn man ganz geduldig ist, krabbeln sie sogar auf den Schoß. Dieses Erlebnis ist absolut berührend.

Wir verlassen nun Australien mit einem großen Koffer voll unterschiedlichster Erfahrungen und Erlebnisse, die wir noch verarbeiten müssen. Wir sind froh und dankbar, dass trotz allem das Positive überwiegt und wir bei allem Pech immer ein Quäntchen mehr Glück haben.

Montag, 2. März 2026

Neuseeland (immer noch die Nordinsel)

Nachdem wir alles storniert und uns nach dem Frust wieder neu sortiert haben, erkunden wir die Nordinsel erst einmal weiter und starten genau dort, wo es am spektakulärsten ist:

Rotorua ist der Inbegriff von heißen Quellen, Thermalbädern und Geysiren. Die Stadt stinkt nach Schwefel und ist trotzdem wunderschön. Wir haben zudem eine tolle Unterkunft in einem AirBnB auf einem Bauernhof mit lieben Tieren. Die fehlen uns nämlich schon sehr.

Auf der Südinsel wollten wir im Abel Tasman Nationalpark toll wandern - hierfür haben wir Ersatz auf der Nordinsel gefunden und machen eine super abwechslungsreiche Wanderung rund um die Karangahake Schlucht mit Fluss und Wasserfall. 

Durch Zufall entdecken wir auch einen einzigen Touren-Anbieter, der Schwimmen mit Meeressäugern im Programm hat. Es war etwas schwierig mit diesem Anbieter in Kontakt zu treten. Aber irgendwie schaffen wir es mit einer kleinen Gruppe gemeinsam Whale Island anzusteuern. Dort lebt eine Kolonie friedlicher Pelzrobben... Kaum haben wir geankert und sind im Wasser, löst sich der eine oder andere von seiner Sonnenbank und schwimmt auf uns zu und taucht unter uns durch. Wir beäugen uns gegenseitig - diese eleganten Schwimmer und wir mit unseren Plastikflossen. Niemand weiß, wer sich mehr darüber freut. 

Unsere anschließende Unterkunft entschädigt uns ebenfalls für vieles: Wir wohnen auf einer Anhöhe mit Blick auf Felder und Wälder in einem Haus in Form einer Jurte. Von hier können wir in einem Fluss völlig einsam schwimmen gehen und auch die Wanderung hier, die durch einen Tunnel führt, ist grandios. 

Als letzte Station auf der Nordinsel finden wir uns auf der Coromandel Halbinsel ein und können hier nicht nur am Cathedral Cove, einem super tollen Strand mit grandiosen Felsformationen, schwimmen gehen. Auf dem Weg durch den Kathedrale-Bogen, den man nur bei Ebbe passieren kann, sehen wir plötzlich ein kleines sich putzendes Etwas in einer Felsnische: Ein Zwerg-Pinguin!!! Wahnsinnig selten lassen sich diese kleinsten Pinguine der Welt tagsüber sehen. Wir sind mega gerührt, welch Glück wir doch haben.

Unseren letzten Tag verbringen wir am Hot-Water-Beach. Wären wir auf die Südinsel gefahren, hätten wir auch dieses Vergnügen versäumt. Hier kann man nämlich seinen ganz persönlichen kleinen Thermal-Pool erbuddeln, bis dass die Flut einen daraus vertreibt. 

Trotz aller Widrigkeiten ist es doch gekommen wie gehofft - es ist nicht nur besser geworden sondern gut. Und das, obwohl es noch nicht das Ende ist ☺️

Montag, 16. Februar 2026

Neuseeland (Nordinsel)

Muriwai, Otorohanga, Wangarai - nicht nur in diesen Ortsnamen, sondern auch in verschiedenen Museen, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen sind die Maori-Geschichte und -Kultur präsent. Die Maori selbst sind auch überall sichtbar und manchmal nur anhand ihrer speziellen Körper- und Gesichtsbemalungen zu erkennen, da sie voll in der Gesellschaft integriert sind. Ganz anders als in Australien, wo die Aborigines allenfalls als Touristenattraktion zur Schau gestellt werden und ihre Kunst und Kultur nur für kommerzielle Zwecke in Souvenirläden verwendet werden.


Wir sind nun schon zwei Wochen auf der Nordinsel und neben kleineren Wanderungen machen wir auch solche Aktivitäten, wie einen Segelausflug mit einem alten 2-Master in der Bay of Islands oder besuchen die Glühwürmchenhöhle in Waitomo. Das Land gefällt uns ausgesprochen gut und die Menschen sind außerordentlich hilfsbereit und kommen sofort auf einen zu, wenn man sich z. B. an der Tankstelle zu dumm anstellt, das Pre-Pay-Terminal zu bedienen.


Das, was uns weniger gefällt, sind das Wetter und die UV-Strahlung. Es ist streckenweise zu kalt für einen Sommer (manchmal nur 16 Grad) und vor allem zu nass. Entweder, man benötigt Gummistiefel, oder man verbrennt sich die Haut selbst dann, wenn es nur 20 Grad sind und die Sonne von Wolken bedeckt ist.

Gestern hat zudem unsere sonstige Glückssträhne mal nicht gehalten:

Gegen 5 Uhr früh weckt uns unser Vermieter. Ich denke erst, noch im Halbschlaf,  „warum kniet er vor uns?“ Dann muss ich feststellen, dass er über knietief im Wasser steht und verstehe dann auch allmählich, was er uns sagt: Wir müssen unsere Sachen packen und umgehend verschwinden. Es wurde Hochwasseralarm ausgelöst und der Ort wird evakuiert. Wir versuchen ruhig zu bleiben, waten mit unserem Gepäck zum Auto, das noch auf normal begehbarer Straße steht, und fahren los. Bereits nach 500 m packt uns die Angst, da das Wasser auf der Straße plötzlich doch viel tiefer ist als erwartet, und als die braune Brühe schon fast die Motorhaube erreicht, können wir nur noch beten, dass der kleine Suzuki sich als Amphienfahrzeug entpuppt. Nach rd. 100 m ist es geschafft und wir auch.

Noch etwas unter Schock, quartieren wir uns in ein überteuertes Hotel ein, das uns aufgrund der besonderen Umstände wenigstens die Early-Check-Inn Kosten erlässt.

Wir wärmen uns auf und schlafen erst einmal, um dann von unserem zweiten Pech zu erfahren:

Die Fähre, die uns in zwei Tagen auf die Südinsel bringen soll, ist aufgrund von 8 m hohen Wellen in der Cook Passage gestrichen. Es ist Hochsaison und alle Fähren sind über Wochen ausgebucht. Es macht daher kaum Sinn, dass wir uns auf eine Warteliste setzen lassen, die uns die Überfahrt eventuell in den kommenden Tagen irgendwann ermöglichen könnte. Wir prüfen andere Varianten, wie z. B. den Luftweg. Abgesehen von den horrenden Gesamtkosten, die das Ganze zusätzlich verursachen würde (Mietwagen gibt es gerade nur noch ab 3000 Euro/ Woche auf der Südinsel), möchte man bei Windstärken von 130km/h auch nicht fliegen.


Schweren Herzens treffen wir die Entscheidung, die Südinsel und alles zu canceln, was wir dort gebucht haben: Die Walbeobachtungstour, die Nachtwanderung zu den Pinguinen und das Schwimmen mit den Seehunden. Wir sind unendlich traurig und hoffen, dass wir in den letzten Tagen in Neuseeland, die wir nun auch noch auf der Nordinsel verbringen werden, das Beste daraus machen können und am Ende doch noch alles nicht gut, aber zumindest wieder besser wird.

Montag, 2. Februar 2026

Australien - Seitenwechsel

Perth ist eine großartige Stadt. Schon beim ersten Besuch, vor unserer Campertour, haben wir vom Kings Park, der auf einer Anhöhe liegt, eine traumhafte Aussicht und einen Überblick über diese hochmoderne, Stadt, die vom Swan River durchzogen wird und mit den Vororten quasi direkt am Meer liegt. Sie steht Singapur in Punkto Sauberkeit und Ordnung in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Die Busse im öffentlichen Nahverkehr sind zu 100% elektrisch, also emissionsfrei unterwegs und in der gesamten Innenstadt auch noch kostenlos. Abgesehen von den bekannten Sehenswürdigkeiten gefällt die Gelassenheit, das unaufgeregte Treiben, wie man es in größeren Städten eher nicht erlebt.

Nun sind wir schon zum zweiten Mal hier, jedoch nur, weil wir morgen ein Highlight unserer Reise beginnen: Wir fahren mit dem Indian-Pacific-Train einmal komplett durchs Land bis an die Ostküste nach Sydney.

Ein Kribbeln im Bauch und Aufregung, die das Herz bis zum Hals schlagen lässt, macht sich breit, als wir auf den Bahnsteig ankommen, auf dem der Zug mit den 33 Waggons schon bereit steht und ein Countrysänger nebst Prosecco und Häppchen für relaxten Zeitvertreib sorgt. Pünktlich verlässt der Indian Pacific die Station und wir haben bereits ein kleines Problem: Unsere Klimaanlage in der Kabine ist zu laut. Es dauert bis nach dem Abendessen und braucht mehrere Anläufe bei verschiedenen Mitarbeitenden, aber dann kommt die Belohnung: Wir dürfen in eine viel größere Kabine mit größerem Bad umziehen, die so groß wie unser Hotelzimmer in Singapur ist. Die folgenden Tage sind mit viel gutem Essen und tollen Getränken vor dem Ausblick auf die unendliche Weite des Outbacks gefüllt. Zwischendurch gibt es „Off-Train-Experiences“, die super organisiert sind, jedoch ein wenig den Touch einer Kreuzfahrt haben. Besonders schön ist der Stopp mitten in der Nacht in einer Geisterstadt im Nirgendwo, wo wir in völliger Dunkelheit einen traumhaften Sternenhimmel bewundern und Sternschnuppen erhaschen können. Aber auch der letzte Ausflug in die Blue Mountains ist ein tolles Erlebnis. Hier geht es mit einer Glasbodenseilbahn in 270 m Höhe direkt über einen Canyon und im Anschluss mit der steilsten Bahn der Welt abwärts.

Als wir in Sydney nach 5 Tagen ankommen, sind wir voller Eindrücke und begeistert von der perfekten Organisation und dem unglaublich zuvorkommenden Personal. Dennoch müssen wir dieses Reisegruppenfeeling so schnell nicht noch einmal haben - wir sind doch eher die Individualisten.

Sydney gefällt Dennis besser als Perth, weil es ihn eher an Bangkok erinnert - die Mischung aus modernen und alten Häusern, sowie das Wuhling in Chinatown sind genau seins. Mir gefällt Sydney auch sehr gut, aber anders gut. Wir schauen uns neben der Stadt Sydney und seinen Stränden auch eine Auffangstation für Wildtiere an. Im „Walkabout Wildlife“ kann man u. a. Kängurus und Emus hautnah erleben. 

Unsere Unterkunft ist etwas außerhalb- ein nettes AirBNB in Avalon. Hier lernen wir eine ganz andere Seite der Australier kennen. Sie sind mega hilfsbereit, freundlich und aufmerksam. Avalon ist eine Kleinstadt - vielleicht liegt es daran. Vielleicht liegt es aber auch an der Tatsache, dass es keine Camper sind. Vielleicht haben die Menschen auf der anderen Seite aber auch tatsächlich diese andere Seite, weil im Osten die Natur viel freundlicher und nicht so rau ist und es abfärbt. Wir genießen es auf jeden Fall noch bis zum 3.2. und dann geht es ins nächste Land und damit ins nächste Abenteuer.


Freitag, 23. Januar 2026

Australien - im Westen was Neues

 Australien 


Lange hatten wir überlegt, welchen Teil dieses riesigen Landes wir bereisen wollen. Wir haben uns für Western Australia (WA) entschieden. Warum? Weil uns von verschiedenen Seiten berichtet wurde, dass WA noch sehr untouristisch sei. 


Da sind wir nun - auf dem roten Kontinent. 

Irgendwo im Nirgendwo. Da, wo das Handy nur noch das SOS-Symbol anzeigt und zwar schon seit über 100 km. 


Wir sind an Tag 12 unserer 16tägigen Campertour auf dem Weg von der Süd- zurück zur Westküste. Die Idee, relativ schnell mit einem Camper zu starten, zeigt sich im Nachhinein nicht als unsere Beste. 

Es sind Schulferien in Australien und gefühlt alle Einwohner von WA wollen campen. Wir lernen Campgrounds (ähnlich Stellplatz) kennen und dabei unsere Onboard-Dusche zu schätzen, und wir genießen auch den einen oder anderen Caravanpark (ähnlich Campingplatz). Als„Glamper“ fehlt uns doch das eine oder andere Ausstattungsutensil und es ist einfach nicht unser hyggeliger Bussi, mit dem wir unterwegs sind. Irgendwann geht es uns auch auf den Keks ständig zu suchen , wo wir noch unterkommen können. Und nach unserer einzigen „Wild Camping- Nacht“ auf einer riesigen Parkfläche einer Winery, in der wir am nächsten Tag zur Weinverkostung wollten, haben wir keine Lust mehr auf solche Aktionen. Zu oft müssen wir uns am Morgen von einer Angestellten anhören „this is privat proberty“ und zwar gefühlt 10 Mal in 5 Sätzen, die uns wie eine Gewehrsalve und im besten Schulmeisterton an den Kopf geknallt werden. Und da kommen wir auch gleich zum nächsten Thema- die Australier sind zum großen Teil für unseren Geschmack zu distanziert. Nur selten kommt man in ein kurzes Gespräch, denn selbst Grüßen fällt den Leuten auf den Caravan-Parks schwer. 

Dafür begeistert uns die Tierwelt umso mehr. „Hoffentlich sehen wir überhaupt mal ein Känguru“, sage ich zu Dennis. Er schafft es gerade noch mir ermutigend zu antworten, als wir im nächsten Moment bereits die ersten Hüpfer sehen. Tolle Tiere, die wir am Ende kaum noch zählen können. Im weiteren Verlauf begegnen uns Possums (ohne „O), Kurznasenbeuteltiere, Emus und riesige Pelikane. Am meisten haben es uns die Quokkas angetan - mit ihrem stetigem Lächeln machen sie einfach gute Laune. 

Leider hat Wildlife auch so seine Tücken: 

Am vorletzten Tag unserer Campertour kommen wir etwas spät von Busselton, das uns übrigens sehr gut gefällt, zurück zum Campingplatz. Es ist ca. 19:30, also gerade Sonnenuntergang. Die Geschwindigkeits-begrenzung liegt bei 100 km/h, wir fahren ca. 65 km/h als ein Känguru direkt vors Auto springt. Es kommt von rechts und durch den Linksverkehr bleibt noch etwas Zeit mit einer Vollbremsung zum Stehen zu kommen. Das Känguru wird noch berührt und dadurch etwas von seiner Bahn abgebracht, springt aber sofort weiter. Nach einem kurzen Schockmoment springen wir aus dem Auto und schauen dem Tier nach, dann schauen wir uns das Auto an - es ist nichts zu sehen - auch von dem Känguru nicht. Da haben wir alle riesig Glück gehabt.


Mittwoch, 7. Januar 2026

Singapur

 

„Oh, Singapur ist toll“ sagten uns vorher alle, denen wir von unserer Reiseplanung erzählten. Und es ist tatsächlich eine tolle Stadt mit sauberen Straßen, geordneten Regeln, die befolgt werden, und einem technischen Entwicklungsstand, von dem sich Deutschland eine Scheibe abschneiden könnte. Es ist z. B. völlig unkompliziert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren ohne eine Fahrkarte an einem Automaten kaufen zu müssen - einfach Kreditkarte „Tap*“ beim Einsteigen und „Tap*“ beim Aussteigen und überall kann man mit Karte bezahlen. Wir holen uns nicht ein einziges Mal Bargeld ab.

Für uns als Asien-Fans fühlt es sich aber merkwürdig an: Asien ohne exotische Gerüche, dafür mit distanzierten Menschen, ohne Verständigungsherausforderungen und eine Architektur, die einen glauben lässt, Singapur sei erst ein paar Jahrzehnte alt und hätte keine Geschichte zu bieten. 

Wir verbringen zum dritten Mal Silvester in Asien - jedoch zum ersten Mal mit Countdown und pompösen Feuerwerk - auch das ist sicher untypisch für Asien, zumindest am 31.12. eines Jahres. Aber das gefällt uns, auch wenn wir es in Ermangelung eines Ersatzrestaurants mit Eistee von Mc-Donalds begießen müssen. Warum das? Wir haben schon von Deutschland aus einen schönen Platz in einer Rooftop-Bar reserviert. Dort angekommen, bekommen wir auch einen Platz und eine Sprite - denn Cola ist bereits ausverkauft. Auf unser Essen warten wir jedoch 2 Stunden bzw. erfahren dann erst, obwohl wir auch zwischendrin mehrmals fragten, dass es nichts mehr zu essen gibt. Kurzerhand entschließen wir uns, uns auf den Weg zur Marina Bay zu machen, wo das große Feuerwerk stattfinden wird und unterwegs etwas zu essen und uns im 7/11 etwas Alkoholisches für Mitternacht zu kaufen.

Aufgrund der Zeitnot müssen wir abermals umschwenken und es bleibt dann nur McDonalds übrig. Das mag nun traurig klingen, aber wir sind am Ende froh, denn direkt im Menschenmeer am Meer das grandiose Feuerwerk ganz nah zu bestaunen, ist viel schöner als von Ferne einen Blick drauf zu haben. Somit bleibt zumindest das Gefühl gleich, das wir in Asien immer haben: Es hat alles seinen Sinn und am Ende wird es gut.


*Eine „Tap“-Kreditkarte nutzt NFC-Technologie (Near Field Communication) für schnelle, sichere Zahlungen, indem man sie einfach an ein kompatibles Terminal hält. 😉

Freitag, 5. April 2019

Wie man sich bettet...

Unten findet ihr unsere Unterkünfte in chronologischer Besuchsfolge. Camping- und Stellplätze sind nicht dabei.
In Klammern steht der Hinweis auf die Bewertungsplattform, auf der ihr unsere Erfahrung mit der jeweiligen Unterkunft nachlesen könnt. Bei Booking.com, AirBnB und Agoda könnt ihr diese lesen, wenn ihr euch das jeweilige Hotel aufruft und die Bewertungen aller durchscrollt, bei Trip Advisor kommt ihr hier direkt auf alle Bewertungen, die von uns sind:
https://www.tripadvisor.de/Profile/justbjones?tab=reviews&fid=6b167215-28bd-446f-bd38-9866d0184067


GRIECHENLAND

Thessaloniki - Grand Hotel Palace (TripAdvisor)
Athen - Best Western Candia Hotel (TripAdvisor)


IRAN

Teheran - Seven Hostel Teheran (TripAdvisor)
Shiraz - Sirah Hostel (TripAdvisor)


VAE

Dubai - Millennium Airport Hotel (TripAdvisor)


INDIEN

Goa - Khaama Kethna (TripAdvisor)
Mumbai - The Orchid (TripAdvisor)
Udaipur - Panorama Guest House (TripAdvisor),
Thamla Haveli (TripAdvisor)


SRI LANKA

Colombo - Green Olive Villa (2x) (Booking 10,0)
Hungama - AquaBeach Cabanas (TripAdvisor)
Komari - Hilltop Cabanas (TripAdvisor)
Ella - Ella Eco Lodge (Airbnb)
Delhousie- Hugging Clouds (Booking 9,2)


KAMBODSCHA

Kampot - Ganesha Eco Guesthouse (TripAdvisor)
Koh Rong - Tree House Bungalow (TripAdvisor)
Koh Rong Sanloem - Huba Huba resort (TripAdvisor); Natural Island Resort (TripAdvisor)
Siem Reap - Indochine Home D'Angkor (Agoda)


THAILAND

Bangkok - Rambuttri Village Inn (TripAdvisor)
Koh Chang bei Ranong - Sunset Bungalows (auf keiner Bewertungsplattform registriert;
wir fühlen uns dort seit Jahren wie zu Hause, auch wenn es sehr basic ist)
Bangkok - Montri Resort (Booking.com 7,1)


INDONESIEN

Bali, Singaraja- Homestay for volunteers (ohne Bewertung)
Bali, Ubud - Nandini Jungle Resort &Spa (TripAdvisor)
Bali, Nusa Dua - Sadara Boutique Beach Resort (Booking.com 7,9)
Sulawesi, Manado - Living peace house (TripAdvisor)
Papua, Sorong - Swiss Bell Hotel (TripAdvisor)
Sulawesi, Tomohon - Mointain View Resort & Spa (TripAdvisor)


THAILAND

Koh Samui - Phalarn Inn Resort (Booking.com 9,2)
Koh Tao - Moondance Magic View Bungalow (TripAdvisor), Saitong Bungalows (TripAdvisor)
Khao Sok - Baan Khaosok Resort (Trip Advisor)
Khanom - Leeloo Cabana Beach (Trip Advisor)
Bangkok - Chatrium Riverside (Trip Advisor)






Donnerstag, 4. April 2019

Die Rückkehr



Ich habe es mir nicht vorstellen können, wenn Reisende nach langer Reise keine Lust hatten, sich mit der “Aufarbeitung” zu beschäftigen. Aber mir ist es genauso ergangen. Klar haben wir gern alle Fragen beantwortet, wenn sie nicht gerade “Wie war’s?” und “Wo war es am schönsten?” hießen. Aber erst jetzt, ein Jahr nach unserer Rückkehr, sortiere ich die Bilder und arbeite an einer Fotostory. Es ist aber auch keine sehr leichte Rückkehr gewesen:
Am 28.02. landen wir bei minus 18 Grad in Berlin Schönefeld. Das ist für uns ein Temperatursturz von 47 Grad! Dann müssen wir noch eine Nacht aushäusig schlafen, da unser Haus erst ab 1.3. wieder frei ist. Am 1.3. kehren wir in unser etwas verändertes, aber klar wiedererkennbares Heim zurück. Nun heißt es Umzugskisten auspacken, Postberge bearbeiten und uns wieder bei unseren Katzen beliebt machen, die unsere Abwesenheit ansonsten gut überstanden haben. An meinem ersten Arbeitstag , am 5.3., erfahre ich, dass es meine Stelle nicht mehr gibt. Das ist erst einmal zu verdauen. Dennis entscheidet sich nun endgültig in die Selbstständigkeit zu gehen. Das bedeutet viel Organisation, Papierkram, Vorbereitung ...da ist es wiederum gut, dass ich von meiner Arbeit freigestellt bin. Alles Schlechte hat eben auch immer etwas Positives. Und als Ausgleich sind wir noch einmal einen Monat mit unserem Bussi, der inzwischen repariert ist, nach Südeuropa gefahren. Denn als ein Fazit können wir festhalten: Die Zeit ohne Bussi war genauso schön wie die Zeit im rollenden Zuhause. Aber letztere war einfach zu kurz. Wir wollen “Meer” davon.


Sonntag, 25. Februar 2018

Thailand, Klappe, die 2.

3 Flüge muss der arme Dennis hintereinander ertragen, damit wir ohne Zwischenstopp aus Sulawesi nach Thailand und direkt nach Ko Samui fliegen. Wobei auf Koh Samui nur der nächstgelegene Flughafen ist, es aber nicht unser Ziel darstellt. Nein, es geht am nächsten Tag gleich per Fähre weiter nach Koh Tao. Wir haben Glück, denn es ist nicht mehr sehr voll auf der Insel. Aber trotzdem suchen wir uns eine ganz kleine abgeschiedene Bucht und mieten uns lieber ein Motorrad, um bei Bedarf dort hinzufahren, wo es mehr Trubel gibt. Das Motorradfahren ist schon sehr aufregend. Es dauert eine Weile bis ich so viel Vertrauen in meinen Fahrer habe, dass ich meine Frage:“ Soll ich lieber absteigen, Dennis?“ nicht mehr bei jeder Geröllpiste mit 40 % Gefälle ausspreche. Auf Koh Tao sind die Serpentinen noch nicht erfunden, aber mit Erfahrung, Geduld, Gefühl und vor allem Helm kommt man trotzdem heil an. In unserer kleinen Bucht gehen wir direkt vom Strand aus schnorcheln. Es ist nicht umwerfend, wenn man die Unterwasserwelt Indonesiens zum Vergleich nimmt, aber dennoch schön. Besonders schön ist es, wenn der „erfahrene“ Taucher den fatalen Fehler begeht und den großen Fisch streicheln will. Dieser Fisch stellt sich nämlich als Titan-Drückerfisch heraus. Diese Fische sind alles andere als scheu und reagieren ungehalten, wenn man sie stört. Zum Glück gibt es vor einem Biss immer erst eine Warnung. Die reicht uns und wir suchen schnell das Weite.
In den nächsten Tagen erkunden wir ein bisschen mehr von der Insel, die seit 2011 schließlich eine ganz besondere Bedeutung für uns hat. Und damit ich nicht einroste, gehe ich zu Fuß die fast 8 km direkt über den Berg auf die andere Seite und treffe mich da mit Dennis - einer muss ja das Motorrad für den Rückweg dort hin bringen😉  Koh Tao ist wirklich auch schön zum Wandern, allerdings darf man sich nicht auf Komoot verlassen, denn da wird man gern mal einen Berg hochgejagt, der keinen Weg zur anderen Seite bietet. Man darf auch keine Thais nach dem Weg fragen, denn Thais laufen grundsätzlich nicht gern und eine solche Strecke „ no can go!“.
Wir bleiben insgesamt zwei Wochen und verlassen die Insel mit der Erkenntnis, dass wir noch immer nicht alles gesehen haben, obwohl Koh Tao nicht sonderlich groß ist.
Nach Strand und Meer wollen wir wieder Dschungel haben. Wir fahren daher nach Khao Sok. Anders als die meisten Besucher des gleichnamigen Nationalparks, die nur als Tagesausflügler kommen, schlafen wir direkt in dem kleinen verträumten Örtchen und wandeln neben und nicht im Nationalpark auf Naturpfaden. Somit entgehen wir den Touristenmassen, die in Bussen zum Park gekarrt werden. In Indonesien gab es zu viel, in Thailand zu wenig Regen. In der nun herrschenden Trockenzeit führen die Flüsse um den Park zu wenig Wasser, sodass unser Plan vom Rafting oder Tubing nicht umsetzbar ist. Dennoch finden wir ein anderes Highlight. Wir besuchen ein Elephant Sanctuary, in dem zwei freigekaufte ehemalige Arbeitselefanten ihren Alterssitz haben. Wir dürfen die grauen Riesen füttern und als besonderen Witz steckt die Tierpflegerin meinen Arm bis zum Ellenbogen ins Elefantenmaul. Es wird uns viel erklärt und als das Futter alle ist, geht es ins Elefanten-Spa. In einer braunen, stinkenden Brühe legen sich die Elis gemütlich hin und wir Besucher dürfen den Schlamm vom Grubenboden auf die dicke Haut der Elefantenkühe auftragen. Das kostet am Anfang etwas Überwindung, da man nicht weiß, woraus der Schlamm, den man gerade greift, besteht, aber dann überwiegt der Spaß und man sieht, wie es den Tieren gefällt. Anschließend kommt die Klarspülung im Fluss und die Trocknung auf dem Fußmarsch zurück zum Camp. Dann ist es schon wieder Zeit für eine Fütterung, denn wenn Elefanten gerade nicht schlafen, was sie nur 4 Stunden täglich tun, müssen sie essen.
Als letzte Station in Thailand, bevor es dann nach Hause geht, fahren wir nach Khanom, einem kleinen Ort an der westlichen Golfküste. Dort gibt es pinkfarbene Delfine und da es noch nicht viele Touristen in und um Khanom gibt und die Delfintouren tierfreundlich gestaltet werden, buchen wir eine solche. Leider spielt das Wetter nicht mit, denn bei Wind und hohen Wellen bleiben die kleinen Longtailboote an Land. So müssen wir dieses Erlebnis auch fürs nächste Mal aufheben. Ein kleiner Trost ist uns unser Ausflug zum Wasserfall, denn es ist tatsächlich das erste Mal, dass wir einen tollen Wasserfall mit Pool für uns ganz allein haben.
Am 24.02. fahren wir mit dem Nachtzug nach Bangkok. Dort gehen wir shoppen (endlich) und bereiten uns auf die Zivilisation vor (u. A. Pediküre, damit richtige Schuhe wieder passen). Dieses Mal schaffen wir es auch noch zu einem Fußballspiel zu gehen. Wir sind die einzigen Farangs (Ausländer auf Thai) und man beäugt uns neugierig. Da wir aber so schön mitjubeln, wenn die Gäste am Ball sind, nimmt man uns herzlich in die Fangemeinschaft auf.
Die Freude ist groß, wenn wir an Familie und Freunde denken. Aber es gruselt uns vor dem kalten Wetter und vor dem Alltag. Viel ist in unserer Abwesenheit geschehen, Gutes und Schlechtes. Und vielleicht haben auch wir uns verändert. Unser Leben wird nicht mehr so sein, wie es vor der Reise war. Aber mit der Einstellung, die wir uns als Souvenir mitbringen, wird es gut sein.





Sonntag, 18. Februar 2018

Indonesien

Nach dem Kinderheim belohnen wir uns: Dennis verwirklicht seinen lang gehegten Traum und geht auf Tauchsafari in Raja Ampat. Mich hat er für die eine Woche in einem Wellness-Dschungel-Resort auf Bali einquartiert. Es ist das erste Mal seit dem 01.09.2017, dass wir getrennte Wege gehen.

Meine Tage im Spa-Resort sehen ziemlich gleichförmig aus. Ich buche mir für jeden Tag eine Anwendung und alle zwei Tage fahre ich nach Ubud. Manchmal schlendere ich nur so durch die Straßen und schaue mir die Boutiquen oder von einer Caféterrasse aus die Menschen an. Großartig shoppen ist noch immer nicht möglich, denn wir reisen ja noch ein wenig weiter und im vorhandenen Rucksack ist kein Platz. Die Hauptattraktion in Ubud, der Affenwald, zieht auch mich an. Es ist erstaunlicherweise nicht voll, wie generell die gesamte Stadt. Ob das an der Regenzeit liegt oder daran, dass viel zum Mount Agung in den Medien war oder beides zusammen, kann mir keiner der Einheimischen so genau sagen. Die Regenzeit in Indonesien fällt recht unterschiedlich aus. Manchmal regnet es nur kurz und heftig, manchmal regnet es über 1 Stunde so stark, dass man eine Sichtweite von unter 20 Metern hat und manchmal nieselt es nur leicht. Nach meiner Tour im Affenwalt fängt es auch gerade wieder sehr stark an zu regnen und ich rette mich in ein Café. Ein unbekanntes, sehr lautes Geräusch lässt mich zusammenfahren und ich sehe, wie in der gegenüberliegenden Straße eine Häuserwand eines erhöht gebauten Hauses auf die Straße stürzt. Es ist ein sehr großes Glück im Unglück, dass in diesem Moment weder Autos noch Passanten auf der Straße sind. Für die Einheimischen gehören auch solche Unglücke, die durch Erdrutsche entstehen, zur Regenzeit dazu.
Wenngleich meine Unterkunft ein Traum ist, mit vorzüglichem Essen und besten Massagen, so freue ich mich doch, dass es bald weitergeht. Ich treffe mich mit Dennis in Sulawesi und ab da wird es dann hoffentlich auch wieder etwas spannender.

Umstehende, die unser Wiedersehen auf dem Flughafen in Manado beobachten, müssen denken, wir hätten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. Rund um die Uhr für eine lange Zeit zusammen zu sein, bringt offenbar nicht nur ab und zu Spannungen, sondern auch eine noch festere Bindung.
Glücklich sitzen wir also im Auto und haben eine Stunde Fahrt vor uns bis wir im MountainViewResort in Tomohon ankommen. Auf dem Weg berichtet Dennis von seiner Woche:

Ganz weit im Osten Indonesiens liegt mein Ziel, Raja Ampat...Divers Paradise, das eigentlich mehr zu Papua zählt. Der westliche Teil wurde vor einigen Jahrzehnten von Indonesien annektiert, nennt sich jetzt zumindest West Papua. Dass hier das Leben anders tickt, merke ich schon, als ich den Flughafen verlasse. Die Menschen und Leute sehen aus wie Eingeborene, die man aus Dokumentationen kennt. Fasziniert starre ich Sie an, versuche dabei nicht unhöflich zu wirken.
Ein paar Minuten später bin ich dann auch schon auf meinem Zuhause für die nächsten 7 Tage gelandet: ein kleines, aber sehr schönes Segelboot mit Platz für 12 Taucher und einer 8-köpfigen Crew. Ziemlich international geht es an Bord zu. Ein Paar kommt aus China, die anderen aus Schweden, Belgien, Holland und Portugal. Gary, mein Kabinennachbar, kommt aus England und ich bin der Quotendeutsche.
Das Tauchen selbst ist leider eher ernüchternd. Aufgrund der vielen Regenfälle in letzter Zeit, ist die Sicht unter Wasser doch ziemlich eingeschränkt. Dafür sind das Leben über Wasser und die Inselwelt ringsherum spektakulär. Zudem begleiten uns Delphine bei der Fahrt.
Ich komme bestimmt noch einmal in dieses phantastische Inselparadies, aber beim nächsten Mal dann wieder mit meiner Joanna, die ich auch schon nach wenigen Tagen mehr und mehr vermisst habe.

Von unserem Mountain View Resort , das von dem deutschen Auswanderer, Michael Leitzinger geführt wird, machen wir am ersten Tag einen Ausflug auf eigene Faust zum Wasserfall. Bevor wir diesen erreichen, sind wir bereits völlig durchnässt: Erst ist es Schweiß aufgrund der drückenden Hitze und den nicht ganz einfachen Wegen und dann kommt auch mal wieder der sintflutartige Regen. Der Wasserfall bei Kali ist gewaltig und da dies das untouristische Indonesien ist, muss man auch noch keinen Eintritt bezahlen. Aktuell ist der Vulkan Lokon wieder am Brodeln. Das erfahren wir so ganz nebenbei. Es ist, wie erwähnt, kein Touristenziel. Aber es macht uns keine Angst, denn wir sind auf dem gegenüberliegenden Berg untergebracht und nicht im Tal und die Gelassenheit der Einwohner ist uns ein Vorbild.
Am zweiten Tag schaffen wir es endlich zum ersten Mal, eine Wildwasserraftingtour zu machen. Wir haben einen mordsmäßigen Spaß und sind ein bisschen traurig als nach 1,5 Stunden schon alles vorbei ist. Das 5-Meter-Gefälle, das folgen würde, will man uns beim ersten mal noch nicht zumuten. Als es am Abend wieder regnet, entschließen wir uns schweren Herzens, unserer Tour „der Sonne entgegen“ ein Ende zu setzen. Osttimor und Papua Neuguinea werden verschoben. Wir wollen keinen Regen mehr.
Als Abschied von Sulawesi machen wir noch eine Tour in einen Nationalpark. Dort werden wir bei Ankunft von Schwarzkopfmakaken stürmisch begrüßt- so stürmisch, dass es Dennis warm den Rücken herunter läuft 😂. Nachdem er dann fertig entlaust ist, muss er den Affen abschütteln, denn der will mit Hilfe seiner Zähne die ihm unbekannten Leberflecken abknabbern. Im Dickicht des Dschungels führt uns unser Guide zu einem merkwürdig ausgehöhlten Baum. Wir müssen ganz genau hinsehen, aber dann entdecken wir sie: Niedlich wie kleine kuschelige Teddybären sitzen die Koboldmakis in den Löchern und schlafen, denn sie sind nachtaktiv. Wir haben einen wunderschönen, sonnigen und trockenen Tag. Uns kommen Zweifel, ob wir uns richtig entschieden haben. Aber es ist zu spät. Die Flüge sind gebucht.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Freiwilligenarbeit im Kinderheim in Indonesien

Unsere Herzen pochen wie verrückt. Werden sie uns mögen? Was werden unsere Aufgaben sein? Wie werden wir untergebracht werden? Wir fahren gerade die Auffahrt zum Narayan Seva Children’s Home herauf und schon springen die ersten Kinder vor und um das Auto herum. „Welcome“ und „Hello“ und irgendetwas auf Indonesisch dringt an unsere Ohren. Wir steigen aus und gefühlt 100 Kinderaugen starren uns an. Wir sind noch etwas unsicher, grüßen nur scheu zurück. Zum Glück kommt in dem Moment eine Didi auf uns zu und begrüßt uns. „Didi“, so erfahren wir später, ist nicht etwa ein Name. Es ist vielmehr ein Titel. Ein Titel für eine Frau, die ihre Liebe aufgrund ihres humanistischen Glaubens ausschließlich den Kindern zuteil werden lässt. Es gibt zwei Didis in Narayan Seva. Schließlich sind es auch sehr viele Kinder, bis zu 90, z. Z. „nur“ 76. Am Abend nach ihrer täglichen gemeinsamen Meditation gibt es einen Gesprächskreis. Am ersten Abend stellen sich alle Kinder mit Namen, Alter, Hobby und Schuljahr vor, und das auf Englisch. Da alle sozusagen Schwestern und Brüder sind, sind auch wir nun Sister Joanna und Brother Dennis.
Das Eis ist schneller gebrochen als erwartet, denn die Kinder sind alle sehr offen und sehr neugierig. Die Didis teilen uns keine Aufgaben zu. Sie geben uns absoluten Freiraum selbst zu sehen, was zu tun ist und was wir davon übernehmen wollen. Die erste Aufgabe, die wir uns suchen, ist ein Ausflug zum Wasserfall. Wir mieten ein Bemo, ein alter klappriger Transportbus, der auf wundersame Weise nicht auseinanderfällt, sondern 12 Kinder und uns transportiert. Trotz häufiger Regenfälle haben die Kinder einen schönen Tag. Für sie zählt es, einfach mal rauszukommen. Sie stören sich nicht daran, dass wir nicht im Pool des Wasserfalls baden können.
Natürlich haben wir auch nicht so schöne Aufgaben für uns gefunden: Wir reparieren die Wanduhren, helfen bei der Gartenarbeit mit, stellen das Basketballnetz wieder her und helfen beim Putzen und bei den Hausaufgaben. Fußballspielen ist natürlich Dennis willkommene regelmäßige Kinderbeschäftigung während ich ihnen Grundsätzliches zum Volleyball erkläre oder mit den Kindergartenkids am Vormittag Parcours spiele. Den größten Spaß haben wir, als wir ihnen Völkerball beibringen. Sie verstehen schnell und spielen mit lautem Gekreische und Gejohle.
Natürlich fahren wir ein zweites mal zum Wasserfall, damit noch andere Kinder in den Genuss kommen, und schließlich hat der Norden Balis auch verschiedene zu bieten. Der Strand ist 30 Minuten von uns entfernt, sodass wir auch zweimal Ausflüge dahin veranstalten. Und zu guter letzt laden wir wiederum andere Kinder ein, dieses Mal 18, mieten zwei Bemos und fahren zu einem Schwimmbad, das sich aus einer heißen Quelle speist. Lediglich zwei Kinder können schwimmen, die anderen lassen es sich aber erklären und haben auch Vertrauen, sich von uns halten zu lassen,  sodass am Ende des Tages zwei weitere Kinder schwimmen können. Die wichtigste aller Aufgaben, so ist uns heute klar, ist einfach für die Kids da zu sein. Sei es, dass die Kleinsten nur gekuschelt werden oder die Mittleren mit uns im Baumhaus toben oder die Größeren ihr Englisch aufbessern und ganz nebenbei etwas von unserer Kultur und Lebensweise erfragen und erfahren können. Zu ihrer ganz speziellen Kinderheimkultur gehört, dass alle Geburtstage eines Monats an einem bestimmten Tag gemeinsam im jeweiligen Monat gefeiert werden. Somit hat Dennis Glück und kann bereits am 18.1. seinen Geburtstag gemeinsam mit den anderen Geburtstagskindern feiern. Endlich darf er mal wieder tanzen, weil er das so gern macht. Und das auch noch als Singledance auf der Bühne der Geburtstagskinder, denn schließlich sind im Narayan Seva alle gleich.
Die Verabschiedung fällt schwer, denn alle sind uns ans Herz gewachsen. Die Tage waren anstrengend und wir freuen uns auf die arbeitsfreie Zeit. Doch die Kinder werden wir vermissen. Wir versprechen nicht, dass wir auf jeden Fall wiederkommen, so wie es die Kinder von uns hören wollen, aber wir versprechen, dass wir, wenn wir wieder auf Bali sind, auf jeden Fall vorbei kommen werden.

Freitag, 5. Januar 2018

Thailand

4 Stunden nach dem unspektakulären Grenzübertritt von Kambodscha nach Thailand erreichen wir die Stadt der Engel, auf Thai: Krungthep Mahannakorn oder auch kurz: Bangkok. Wir bleiben zwei Tage in der Stadt. Es ist anders als beim letzten Mal. Es ist sauberer. Es gibt Mülltonnen. Abends auf der Khaosan Road ist es auch nicht mehr ganz so laut (aber immer noch laut genug). Wir beobachten, wie die Polizei zum Abkassieren der Standmieten vorbeikommt. Ein Verkäufer erklärt uns, dass man entweder Monatslizenzen im Voraus erwerben kann oder unverhältnismäßig höhere Tagessätze bezahlen muss. In dieser Konsequenz ist auch das neu. 
Nachdem wir unsere Weihnachtseinkäufe, zwei Lichterketten und Deko, erledigt haben, machen wir uns auf den Weg zu „unserer“ Insel. Es gibt eine direkte Flugverbindung von Bangkok nach Ranong und von dort kann man per Speedboat oder Slowboat, jeweils zweimal täglich, nach Koh Chang fahren. Wir entscheiden uns für die langsamere Variante und nehmen den Nachtzug von Bangkok nach Chumphon und von dort den Reisebus bis Ranong. Es gefällt uns mit der Bahn zu reisen, und gerade diese Strecke hat für uns etwas Traditionelles. Im Zug sind wir ganz überrascht, wieviel mehr an Komfort geboten wird. Die Schlafkojen sind mit 110 cm breiter und die gemäßigte Klimaanlage surrt nur leise. Zudem sind auch die Fahrgeräusche viel geringer als noch vor drei Jahren. Das einzige, was sich zum Glück auch nicht geändert hat, ist, dass um 21:00 Uhr der Schaffner die Betten für jeden einzelnen mit frischer, blütenweißer Bettwäsche bezieht. In Chumphon auf dem Bahnsteig geht es jetzt zu wie auf dem Markusplatz in Venedig. Vor nicht einmal 9 Jahren war ich die einzige, die damals dort ausstieg. Nun ist es ein beliebter Verkehrsknotenpunkt für Reisende nach Koh Samui, Koh Tao oder Koh Phangan im Golf von Thailand. Zum Glück reisen wir auf die andere Seite und sehen uns im Reisebus zu 80 % von Einheimischen umgeben. Am Busbahnhof in Ranong gehen wir bei unserer lieben Jai, die das Kiwi Orchid besitzt, ganz in Ruhe frühstücken und fühlen uns schon richtig heimisch. Natürlich hat sie in der Zwischenzeit schon die Bootstickets reserviert und fährt uns auch alsbald zum Pier.

Wir brauchen eine Pause. Wir müssen verarbeiten. Wir sind nicht mehr offen für Neues. Unsere Reisemüdigkeit kommt zur rechten Zeit. Wir sind auf "unserer" Insel. Unser Koh Chang bei Ranong auf der Andamanenseite Thailands gibt uns die Ruhe, die wir brauchen. Hier kennen wir jeden Weg, jedes Resort und treffen alte Bekannte. Diese kleine Insel ist schon seit vielen Jahren unser Domizil, wenn wir uns in Südostasien herumtreiben. Völlig unaufgeregt mit einem mittelmäßig schönen Strand und sehr einfachen Hütten ist Koh Chang eine der letzten Inseln, die noch keine Unterkünfte mit Aircondition oder gar Swimmingpool bietet. In den meisten Unterkünften gibt es Strom von 18:00-22:00 Uhr, und in den drei Bars trifft man sich bei chilliger Musik. Tagsüber wird die Hängematte überstrapaziert, am frühen Abend bietet sich Beachvolleyball an oder man erkundet das Inselinnere zu Fuß oder mit dem Rad. Wir bleiben zwei Wochen, verbringen Weihnachten und Silvester in unserem zweiten Zuhause. Nach nur drei Tagen kehrt fast so etwas wie Alltag ein. Die Regelmäßigkeit und das Vertraute tuen uns gut. Wir wollten erst nur 10 Tage bleiben, haben aber spontan verlängert. Am 5.1.2018 sind wir nun wieder bereit für neue Abenteuer. Wir freuen uns auf Indonesien und unser zweites Freiwilligenprojekt und alles, was sich dann noch anschließt. 

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Kambodscha

Dass mir Bootsfahrten auf dem Meer Angst machen, habe ich bereits erwähnt. Wenn dazu auch noch ein ordentlicher Wellengang kommt und das Speedboot nicht über, sondern in die Welle taucht und das Wasser den Mittelgang entlang auf mich zukommt, dann habe ich so richtig, richtig Angst. So geht es mir auf unserer Überfahrt von Koh Rong Sanloem nach Sihanoukville. Meine Panik bekomme ich mit Selbstgesprächen und mentaler Ablenkung in den Griff und zum Glück ist nach 40 Minuten auch schon wieder das Land in greifbarer Nähe. Die schöne Erholung, die wir in den vergangenen Tagen erst auf Koh Rong und dann auf Koh Rong Sanloem getankt haben, scheint erst einmal dahin. Es muss eine schöne Massage her. Da wir noch Zeit bis zum Abflug haben, gönnen wir uns eine Stunde für 12 $ und anschließend noch einen Cocktail für 2,50 $. Endlich ist wieder alles zu „normalen“ asiatischen Preisen erhältlich, was auf den Inseln anders war. Dafür bieten die Inseln Puderzuckersand und kristallklares Wasser. Es gibt laute und leise Strandabschnitte und beide Inseln sind noch dicht grün bewachsen. Backpacker laufen mit ihren Rucksäcken auf dem Rücken den Strand entlang auf der Suche nach billigen Dorms, Rollkoffertouristen folgen ihren Kofferträgern in ihre gebuchte Unterkunft, Kinder folgen der einen wie auch der anderen Gruppe. Diese Inseln bieten für jeden etwas.
Unser Flieger, eine Propellermaschine mit 68 Sitzen, bringt uns sehr ruhig nach Siem Reap. Da bleibt zumindest Dennis Flugangst im Rahmen. Eine Aufregung pro Tag ist auch völlig ausreichend.
Siem Reap ist eine nette, entspannte Kleinstadt, die außer Angkor Wat nicht wirklich viel an Kultur zu bieten hat. Abgesehen davon, dass es für uns ausreichend ist: Für Kultur- und Geschichtsinteressierte kann es wohl kaum etwas Besseres geben. Wir schauen uns in zwei Tagen „nur“ 8 Tempel an und sind immer wieder beeindruckt. Es ist auch durchaus denkbar, sich eine Woche lang alles anzuschauen und dabei nirgends doppelt zu sein. Angkor Wat heißt zwar der größte Tempel, aber das Weltkulturerbe Angkor umfasst ein Gebiet von über 40000 ha. Wenngleich Kambodscha kommunistisch ist, so gibt es doch auch Privateigentum. Sehr zum Leid der Touristen und auch der Bevölkerung befindet sich Angkor in privater Verwaltung. Diese hat gerade in diesem Jahr die Eintrittspreise empfindlich angehoben: 37$ für einen Tag, 64$ für drei Tage und ein Ticket für zwei Tage gibt es nicht. Und da ich kurz die Politik angesprochen habe, sei gesagt, dass die Menschen mit ihrem Prime Minister in der Tat unzufrieden sind und alle den Wahlen 2018 entgegensehen. Der normale Tourist bekommt davon aber nichts mit und auch die Abhängigkeit von China ist im Tourismus (noch) nicht zu merken. Nach nur zwei Wochen verlassen wir dieses sonnige Land mit den netten Menschen, denn Weihnachten steht vor der Tür. Das und den Jahreswechsel wollen wir zu Hause feiern, zumindest in unserer zweiten Heimat...

Samstag, 9. Dezember 2017

Sri Lanka

Es sind nur 30 Kilometer Luftlinie und doch liegen zwischen Indien und Sri Lanka Welten.
Eine andere Sprache, eine andere Währung, kürzere Distanzen und vor allem eine andere Kultur.
Colombo, die Hauptstadt, empfängt uns nicht mit Lärm und Dreck, wie in Reiseführern beschrieben. Es ist halt alles eine Ansichtssache. Für uns, die wir gerade noch den Tinnitus des indischen Dauerlärms im Ohr haben, ist es pure Erholung. Alles läuft gemächlicher. Wir fühlen uns fast schon wie in Südostasien. Die Luft ist wieder heiß und feucht, so wie wir es mögen. Am Morgen nach unserer Ankunft wollen wir mit dem Zug die Küste nach Süden befahren. 10:30 soll der Zug abfahren, wir sind pünktlich um 10:03 am Bahnhof. „10:30 Train late. Better take 10 o`clock train“, erklärt der Ticketverkäufer. „It is already 10:05!“, erkläre ich. „Yes, yes, 5 minutes, hurry!“ Ich bezahle 420 srilankanische Rupien (= 2,30 Euro), nehme Dennis meinen Rucksack ab und wir rennen wie Pandas die Bahnhofstreppen hoch und auf dem letzten Gleis wieder herunter, rufen den bereits im Zug wartenden die Frage nach dem 2.-Klasse-Abteil zu, rennen weiter in die angezeigte Richtung, springen, wie Pandas eben springen können, auf, und schon ertönt die Pfeife und der Zug setzt sich in Bewegung. Wir hätten noch gute 20 Sekunden gehabt, denn die Türen werden nicht verschlossen...
Im Zug herrscht ungewohnte Stille. Wir finden getrennte Plätze und genießen die Fahrt immer an der Küste entlang. In Matara werden wir nach 3,5 Stunden mit dem Taxi erwartet, das uns von Samhita, der Besitzerin unserer nächsten Unterkunft organisiert wurde. Ja, wir haben sozusagen vorgebucht. Denn das uns empfohlene Aqua Beach Cabanas hat nur 4 Bungalows und einen wollten wir uns sichern. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn wir sind die einzigen Gäste, eröffnen sozusagen die Saison.
3 Tage Hängematte und es zieht uns wieder zu den Tieren. Erst wandern wir ganz in die Nähe zum Birds‘ Sanctuary, um prachtvolle Pfauen beim Balzen zu beobachten, sowie Papageien, Beos, Pelikane u. a. in Freiheit und nicht in Käfigen zu bestaunen. Tags darauf zieht es uns zu den Großtieren und wir machen eine Safari im Udawahalla National Park. Neben weiteren zahlreichen Vogelarten können wir Krokodile, Affen und große Elefantenherden bestaunen. Die Dickhäuter sind toll und geben beeindruckende Laute von sich, die noch einmal unterstreichen, warum man den Jeep nicht verlasssen soll.
Obwohl in Hungama gerade keine Regenzeit ist, zieht ein Unwetter heran, dass uns dazu veranlasst, die Ostküste zu besuchen, was wir nicht vorhatten. Außerhalb der Saison ist an der Ostküste alles ziemlich verlassen und auch die Sonne ist nur selten zu Besuch. Dennoch genießen wir die Wärme und die Regenarmut. Im Anschluss geht es dann ins Bergland. Mit dem Zug reisen wir in Etappen von Ost nach West. Unterwegs übernachten wir in Ella, einem niedlichen Örtchen mit in den umliegenden Bergen versteckten Unterkünften. Morgens müssen wir mit Besen bewaffnet aufpassen, dass uns die Affen das Frühstück nicht vom Teller klauen und am Abend gehen wir zu Fuß ins Dorf und genießen tropische Cocktails unterm zu früh aufgestellten Weihnachtsbaum. Den nächsten Stopp legen wir bei Hatton ein. Von dort fahren wir erstmalig mit einem Localbus und husten uns nach 1,5 Stunden die Lunge aus dem Hals - so viel haben wir noch nie geraucht. Apropos Lunge ...unser Ziel liegt in Delhousie. Das ist der Ausgangsort für die Besteigung des Adam‘s Peak. Nachts, um 2:30 spätestens, geht man los, um pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein. Über 5500 Stufen sind dafür zu überwinden. Aber es lohnt sich und wir haben wieder einmal Glück mit dem Wetter. Um 09:30 Uhr liegen wir dann wieder geduscht und satt in unseren Betten. Und natürlich sind wir auch ein bisschen stolz, vor allem Dennis, der weder Frühaufsteher noch Lauffantiker ist.
Das letzte Teilstück, das wir mit der Bahn zurücklegen, führt uns nach Colombo zurück.
Einige Einkäufe sowie auch endlich mal ein Herrenfriseurbesuch sind erforderlich. Das führt leider dazu, dass der anfängliche Eindruck von Colombo revidiert werden muss. 1 Stunde für 3 Kilometer wird benötigt und das indische Hupverhalten ist nun doch vorhanden. Wir halten daher für uns fest: Beim nächsten Mal werden wir Colombo völlig auslassen. Und dass es ein nächstes Mal in Sri Lanka geben wird, steht außer Frage. Aber morgen geht es erst einmal weiter nach Kambodscha. Das Meer und die Hängematten rufen.

Mittwoch, 22. November 2017

Indien

Es ist unsere zweite Reise nach Indien und doch ist sie völlig anders und neu. Das Land ist einfach so riesig, dass man in einem anderen Bundesstaat meint ein völlig anderes Land zu besuchen. Dieses Mal bleiben wir erst ein paar Tage in Goa und reisen dann weiter nach Rajasthan. Einige Eigenheiten bleiben trotz Vielfalt überall gleich:
Das hektische, schlechte Englisch, das undefinierbare Kopfwackeln in alle Richtungen bei „Yes“ und bei „No“ gleichermaßen und das stets und ständige Gehupe aus gutem Grund oder auch einfach grundlos.
In Goa entscheiden wir uns auch u. A. deswegen für eine Unterkunft mitten im Dschungel. Das Khaama Kethna ist nach 30 Minuten Fußweg nicht zu weit weg vom Beach und bietet uns Ruhe, Natur und gesundes, veganes Essen aus dem eigenen Garten. Im Übrigen ist Indien ein Traum für Vegetarier. Eine solche Vielfalt vegetarischer Gerichte in den Restaurants und Schmackhaftigkeit haben wir bislang noch nirgends sonst gehabt. Nach drei Tagen mieten wir uns eine Royal Enfield und knattern damit die Gegend ein wenig ab. Neben unserem Agonda Beach gibt es noch so viele andere schöne Strände.
Gut erholt beschließen wir mit der Bahn nach Udaipur in Rajasthan zu fahren. Wir buchen uns Schlafplätze im Zug, der um 4:30 abfährt und am Abend in Mumbai ankommen soll. Nach 6 Stunden würden wir dann mit dem nächsten Nachtzug weiterfahren, der unser Ziel laut plan um 15:00 Uhr erreicht.
Unser Zug kommt in Goa mit 1,5 Stunden Verspätung an und beim Betreten des Schlafwagens schockiert uns das Bild eines rollenden Menschenkäfigs. Unsere reservierten Plätze sind zudem besetzt und es herrscht ein reges Treiben wie auf einem Rummelplatz. „Ich würde am liebsten wieder aussteigen“ denke ich lauter als gewollt. Auch Dennis sieht unglücklich aus. Dennoch beschließen wir, uns durchzukämpfen, unsere Plätze zu bekommen und zumindest erst einmal ein wenig zu schlafen. Nach geschätzten 80 Durchläufen des Chai-Wallahs und etlichen anderen Verkäufern, erreichen wir Mumbai völlig übernächtigt und mit Schmerzen in sämtlichen Knochen von den harten Pritschen. Wir sind uns einig: Einmal 14 Stunden reichen aus.  Wir buchen uns kurzerhand ein schönes Hotelzimmer und einen Flug für den nächsten Tag und lassen unser zweites Zugticket verfallen.


Udaipur überrascht uns mit verhältnismäßig sauberen Straßen, toller Architektur, freundlichen, nicht ganz so hektischen Menschen und mit fast völliger Abwesenheit von Bettlern. Tagsüber gehen wir nun zwei Wochen lang bei Animal Aid Freiwilligenarbeit leisten (s. Video auf Facebook). Am Abend zieht es uns mal auf die eine, mal auf die andere Dachterrasse mit wundervoller Aussicht auf den Lake Picchola, einer von vier künstlich angelegten Seen der Stadt. Nach den zwei Wochen fällt es uns schwer Abschied von den vielen Tieren und den zauberhaften Mitarbeitern bei Animal Aid zu nehmen. Andererseits freuen wir uns auf wieder höhere Temperaturen und Relaxen in der Hängematte am Strand von Sri Lanka, unserem nächsten Ziel.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Iran

Freunde haben uns davor gewarnt. Familienmitglieder haben besorgt gefragt: „Wollt ihr da wirklich hin?“ Und wir wollten da wirklich hin. Nicht weil wir ignorant sind, denn schließlich haben wir die Türkei aus bekannten Gründen ausgelassen. Nein, wir haben darauf vertraut, dass die Berichte derer, die bereits da waren, stimmen. Und so ist es. Der Iran ist ein Land, in dem Gastfreundschaft nicht nur wichtig ist, sondern von allen gelebt wird.
Wir starten unser Abenteuer mit Rucksack und erstem Flug nach Teheran. Die Stadt erschlägt uns mit Menschen über Menschen. Dabei kennen und lieben wir Bangkok. Aber hier ist es anders. Der Verkehr ist überhaupt nicht geregelt. Albanien ist Verkehrskindergarten dagegen. Hier sind wir froh nicht selbst fahren zu müssen, denn man kann durchaus z. B. in einen Kreisverkehr oder in eine Einbahnstraße dem fließenden Verkehr entgegen fahren. Man muss nur Lichthupe geben und schon ist es offenbar für alle ok. Wahnsinn! Aber auch diesen überleben wir und fahren mit dem Zug nach Shiraz. 15 Stunden liegen vor uns und in unserem Abteil haben wir nur zwei Begleiter, sodass wir glücklich und zufrieden unsere Schuhe ausziehen und es uns gemütlich machen.  Einer unserer Begleiter tut es uns gleich und schon ist es so gar nicht mehr gemütlich. Ich halte es nicht aus und frage nach einem anderen Abteil. Dennis traut sich aus Respektgründen nicht. Mir ist es egal, ob wir in ein erstes Fettnäpfchen treten, denn mit dem Geruch kann niemand schlafen. Der Fahrgastbegleiter schaut mich mürrisch an und meint, er könne das nicht entscheiden. Ich müsse den Captain fragen. Auf dem Weg zu ihm verlässt mich beinahe der Mut. Ich zweifle daran, dass eine Frau im Iran etwas ausrichten kann. Aber sie kann. Den Rest der Zugfahrt verbringen wir in einem 4-Personen-Abteil, allein und ohne Aufpreis. Normalerweise zahlt man für alle vier Plätze, wenn man ein Abteil für sich allein haben will. Also auch mit Kopftuch wird Frau ernst genommen und ist als Kunde König. Apropos Kopftuch: Es wird heute nur noch wie ein modisches Accessoire benutzt, so scheint es. Es muss nur irgendwo am Kopf hängen - Hinterkopf reicht aus.
In Shiraz findet der Taxifahrer für uns eine kleine Oase, nachdem unser Wunschhotel uns nur Betten im Mixed-Dorm anbieten kann. Ja, auch das gibt es mittlerweile im Iran. Man will den Tourismus fördern. Die Stadt ist etwas ruhiger und wir bleiben daher für drei Nächte. Eine kostenlose Stadtführung bekommen wir von Hossein, den wir im Zug mit seiner Karatesportgruppe kennengelernt haben. Hossein hat mit seinen 15 Jahren sehr klare Vorstellungen und eine sehr westliche Weltanschauung. Wir halten uns beim Thema Islam zurück, merken aber sehr wohl, dass wir auf derselben Wellenlänge sind. Beim Stadtrundgang ist sein Vater, Hormuz, dabei, der uns nach kurzer Zeit und einem Anruf zu Hause zu sich zum Essen einlädt. Es ist ein toller Abend, mit vielen Hintergrundinformationen und traditionellem Essen. Es ist nur schwer, die Einladung zur Übernachtung auszuschlagen, Die Verabschiedung ist sehr herzlich. Fast so, als hätte man sich schon vor längerer Zeit kennengelernt.
Nach dieser Erfahrung in einer modernen iranischen Familie, wollen wir uns ein Bild vom Leben der Nomaden machen. Wir buchen eine Tour mit Übernachtung. Das allein ist schon eine Herausforderung, da es keine Travelagencys gibt, die so etwas anbieten. Dank TripAdvisor und Kommunikation über WhatsApp kommen wir zum Ziel. Und es ist ein einzigartiges Erlebnis. Auf 3000 Metern sitzen wir im Kreise einer Familie des Stammes der Kaschgai und werden verköstigt und mit volkstümlicher Musik unterhalten. Außer Hunde, Esel, Hühner und ca. 100 Ziegen, gibt es 7 Zicklein, von denen einige erst einen Tag alt sind. Es ist eine Atmosphäre, die man sich nicht vorstellen kann und von der wir sehr glücklich sind, sie erlebt zu haben. Wir schlafen in einem echten Nomadenzelt mit dicken Decken und glühenden Kohlen, denn es sind nur noch 10 Grad. Am Morgen geht es früh wieder zurück. Wir hätten noch eine weitere Familie besuchen können, aber die Neugier  ist gestillt und wir sind voller Eindrücke, dass wir diese lieber verarbeiten und unsere Erkältung auskurieren wollen. Denn es geht morgen mit Zwischenstopp in Dubai nach Indien. Unseren Plan, eine Iranische Insel anzusteuern, haben wir verworfen. Wir wollen nicht an getrennten Stränden baden, und bei 35 Grad macht die schönste Insel keinen Spaß, wenn man mit langer Kleidung herumlaufen muss. Außerdem geht uns das Bargeld aus und an den hiesigen ATMs gibt es für Ausländer kein Geld, da der Iran nicht ans internationale Bankensystem angeschlossen ist.
So freuen wir uns früher als geplant auf Indien, sind uns aber sicher, dass wir den Iran noch einmal bereisen werden. Hoffentlich in kurzer Kleidung.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Griechenland

Hellas begrüßt uns eine Stunde später als erwartet. Wir haben gar nicht mehr daran gedacht, dass wir in Griechenland schon die nächste Zeitzone betreten. Auch die Grenzkontrolle überrascht uns. Man stellt sein Fahrzeug ab, wo Platz ist und reiht sich in eine Schalterschlange ein. Ein gemütlicher Grenzbeamter guckt kurz in den Pass und gibt ihn zurück. Wir steigen ins Auto und fahren weg. Wir hätten ebenso gut einfach nur auf die Toilette gehen  und dann weiterfahren können.
Kaum im Land der Traumstrände angekommen, fahren wir mal wieder Serpentinen. Griechenland besteht nämlich zu fast 80% aus Gebirge. Statt schöner Strände sehen wir erst wunderschöne Flüsse und viel Grün und dann erst Meer. Unser erster Stopp ist dann eine kleine Bucht, in der wir endlich wieder völlig frei stehen. Wir machen es uns gerade gemütlich, als eine große Meeresschildkröte neugierig ihre Besucher beäugt. Wir sind aus dem Häuschen, denn im Mittelmeer haben wir das nicht erwartet. Wir duschen uns nach dem Essen gegenseitig mit unseren Wasserkanistern ab und fallen satt und seelig in unsere Koje. Am nächsten Morgen zeigt sich die Schildkröte erneut. Dann beobachten wir auch noch zwei Rochen, die edel ihre Bahnen ziehen und eine Länge von gut 1,50 m haben. Dennis versucht zum zweiten Mal zu angeln. Aber der Köder, ein in Knoblauchöl getauchter Kunstwurm, verjagt eher die Fische. Aufgrund der Wetterlage beschließen wir direkt nach Peleponnes zu fahren. Auf dem dortigen Campingplatz verbringen wir die bislang längste Zeit an einem Ort. Endlich haben wir Sandstrand, an dem wir in erster Reihe stehend die fast letzten Gäste sind. Ende Oktober schließt auch dieser Platz. Bis auf zwei Radtouren und Strandspiele ist Faulenzen angesagt. Am Abend wird lecker gekocht und griechischer Wein getrunken. Doch am 7. Tage wollen wir nicht ruhen. Es packt uns die Lust auf Neues und wir fahren landeinwärts zu den Thermopilen.
"Puh, du stinkst!" "Na du erst 'mal!" Wir kommen gerade aus einem Schwefelbad mit 45 Grad warmen Wasser, das sich auf uns aus einem Wasserfall ergießt. Schwefel riecht schon sehr stark erst nach faulen Eiern und dann wie Streichhölzer. 
Gerade wenn es im Herbst auch in Griechenland am Abend frisch wird, ist so eine heiße Dusche genial und gesund soll es ja auch sein. Daher nehmen wir den "Duft" in Kauf. 
Dann erreicht uns ein Hilferuf und da wir ohnehin Antje und Volker aus Montenegro gern noch einmal in Griechenland treffen wollten, sagen wir gleich zu. Die beiden benötigen einen Kühlerschlauch und Kühlmittel. Das in Griechenland zu besorgen ist eine willkommene Herausforderung für uns. Es ist aber dann leichter als erwartet. Schwerer hingegen ist die Anreise zu den beiden. Sie stehen in einer Bucht auf Pilon, zu der man nur über eine 2,5 km lange Off-Road-Piste kommt. Erinnerungen an Albanien werden wach. Der Bussi wackelt, ächzt und quietscht. Die Steine springen unter den Reifen hervor und eine Menge Staub wird aufgewirbelt. Nach 30 Minuten stehen auch wir mit unserem Hippie-Herkules-Mobil neben Volkers 4-WD-Offroader. 
Wir freuen uns riesig und verbringen die nächsten zwei Tage und Nächte an diesem paradiesischen Platz. Dann heißt es Abschied nehmen, denn Firma Kriegenhöfer will überraschend schon am nächsten Tag unseren Bussi aus Thessaloniki abholen. 

Die Übergabe unseres "Babys" ist unerwartet emotional. Dementsprechend betrübt und ruhig verläuft unser Stadtbummel. Auch die Übernachtung im 5-Sterne-Hotel kann uns, vor allem Dennis, nicht wirklich trösten. Erst als es am nächsten Tag mit unseren Rucksäcken im Zug nach Athen geht, kommt die Abenteuerlust und die Freude auf die nächsten 5 Monate wieder. 

Sonntag, 8. Oktober 2017

Albanien

„You want coffee?“ fragte er und 5 Minuten später sitzen wir bei Orestis Kokas und seiner Mutter auf der Couch. Dabei haben wir nur nach dem Weg gefragt. Jetzt bekommen wir Kaffee, Gebäck und Informationen über die besondere Region rund um Himarë. Hier sprechen die Menschen Griechisch und Albanisch, lernen es sogar in der Schule.
Wir sind nun schon fast eine Woche in diesem wunderschönen, bergigen Land, das bei vielen einen zu Unrecht schlechten Ruf hat. Nach unserer ersten Station am Shkodra-See, wo wir den komfortabelsten Campingplatz unserer bisherigen Reise(n) haben, fahren wir mit der Fähre über den Koman-Stausee nach Valbonë ins Gebirge. Die Anfahrt zur Fähre soll angeblich für „normale “ Fahrzeuge nicht machbar sein. Zugegeben, es wechselt sich die Angst, auf der Geröllpiste umzukippen, mit der ab, den Abhang hinunterzustürzen. Und als wir dann auch noch in einen stockfinsteren Tunnel fahren müssen, in dem kein Licht am Ende zu sehen ist, wird auch Dennis endlich mal nervös. Fahrzeuge kommen uns entgegen, obwohl im Tunnel nur Platz für ein Auto ist... Aber irgendwie wird unser Bussi wieder ans Licht und gleich danach auf die Minifähre manövriert. Die Anstrengung und Aufregung haben sich gelohnt: Wir sehen die albanischen Fjorde aus nächster Nähe und können uns gar nicht satt sehen an der Schönheit der Natur. In Valbonë wandern wir dann das Adrenalin ab und sind erstaunt, wie perfekt die ansonsten naturbelassenen Wanderwege markiert sind. Etwas zu kalt ist es um diese Jahreszeit für unseren Geschmack, sodass wir uns auch dieses Mal wieder gegen die Übernachtung im Nationalpark entscheiden. Wir wollen nur schnell wieder ins Tal etwas essen und einen Übernachtungsplatz finden. Schnell ist aber bei geschätzten 120 Serpentinen nicht möglich. Es ist bereits dunkel, als wir in einer Gaststätte einkehren, in der ich die einzige Frau bin. Nach kurzen neugierigen Blicken und einer freundlichen Begrüßung, interessiert das aber niemanden mehr. Bei traditioneller Musik probieren wir lokalen Wein und Bier und sind glücklich, dass der Inhaber ein besseres Englisch spricht als es uns bislang in Italien, Kroatien und Montenegro begegnet ist. Er findet sogar etwas Essbares für mich als Vegetarierin, obwohl die Speisekarte fast ausschließlich Fleisch enthält. Satt und erschöpft schlafen wir fast 10 Stunden auf dem Restaurantparkplatz.
Bei der Ankunft in Tirana gibt es zwei Dinge festzustellen: Jeder fährt wie er will (außer Ausländer) und Verkehrszeichen, Zebrastreifen und sogar Ampeln sind nur „Empfehlungen“. „Wenn man das beherzigt, dann fährt es sich recht entspannt“, meint Dennis. Ich finde Tirana auf Anhieb sympathisch. Ich bin und bleibe halt „Stadtpflanze“.  Auch wenn uns gestern noch überwiegend Eselstreiber und Schafhirten begegnet sind - diese Stadt ist in der Neuzeit mehr als angekommen. Nach einem kurzen Einkauf eines neuen Coffeemakers, da wir unsere Bodum verloren haben, kehren wir noch schnell in einem kleinen Foodmarket ein, denn wir haben nicht viel Zeit. Man erwartet uns bereits im Kinderheim in Elbasan. Wir haben vorher dort angefragt, ob wir kommen können und sind beim Koordinator, Marcid, auf Begeisterung gestoßen. Bei unserer Ankunft begrüßt er uns gemeinsam mit Schwester Susanna, die das Heim leitet. Uns wird ausführlich die Geschichte und die Struktur des Heimes erklärt und dann dürfen wir endlich die Kinder in ihren jeweiligen Wohngruppen kennenlernen. Der Anfang ist noch etwas verhalten. Die Kinder sind etwas schüchtern und wir noch nicht wirklich erfahren mit solchen Situationen. Aber beim gemeinsamen Volleyballspiel mit den Mädchen bzw. Fußball mit den Jungs, ist sofort das Eis gebrochen. Ab da kommen wir von einem Spiel zum nächsten und sind alle so ausgelassen, dass auch selbst Schwester Susanna in ihrer Ordenstracht übermütig mittobt. Gespendete Kuscheltiere und Malzeug, das nicht mehr ins Paket für das Kinderheim auf Bali gepasst hat, übergeben wir nun diesen Kindern und freuen uns mit ihnen. Am Abend werden wir zum gemeinsamen Essen eingeladen. Es gibt Brot, Pellkartoffeln, Margarine und Ölsardinen. Nach dem Essen wird wieder aufgedreht. Es wird getanzt, Haare geflochten, Musik gespielt, gesungen, und es wird spät. Zufrieden, aber mit etwas Traurigkeit verlassen wir am nächsten Morgen Elbasan. Es geht wieder ans Meer nach Himarë. Aber davon hab ich ja schon berichtet.

Montag, 2. Oktober 2017

Montenegro

Es ist dunkel. Es regnet. Wir fahren bereits seit Stunden. Wild stehen ist nicht möglich, da an der einspurigen Straße rund um die Bucht links private Grundstücke liegen und rechts das Wasser ist.  Der erste Campingplatz in der Bucht von Kotor war trotz Nebensaison voll belegt. So klopfen wir an einer Tür zu einem Haus, an dem noch das Wort „Camping“ zu lesen ist. Nett, dass du junge Frau den zwei dunklen Gestalten öffnet. Leider kann sie uns nur in gebrochenem Englisch zu verstehen geben, dass ihr Platz bereits im Winterschlaf ist. Aber 800 m weiter gäbe es noch einen, der geöffnet habe. Pudelnass, aber erleichtert, liegen wir 30 Minuten später in unserem Bettchen auf besagtem Platz.
Am nächsten Morgen erstrahlt der Himmel in seinem schönsten Blau und die Sonne spiegelt sich auf dem türkisgrünen Wasser. Rings herum bewaldete Berge zeigen, woher der Name Montenegro kommt. Die Stadt Kotor, auch ein Unesco Weltkulturerbe, schauen wir uns per Fahrrad an und finden es zwar um einiges kleiner aber ebenso schön wie Dubrovnik.
Nach zwei Nächten verlassen wir das Meer und fahren ins Landesinnere. Im Lovcen, einer von 6 Nationalparks Montenegros, wollen wir Rad fahren und dort übernachten. Extreme Steigerungen und nicht für Radfahrer exklusive Wege, machen das Vergnügen kurz. Bei ca. 8 Grad Nachttemperatur haben wir auch keine Lust dort zu übernachten. Wir fahren daher noch am späten Nachmittag nach Rijeka, einem kleinen Ort an einem Fluss. Der Stellplatz dort ist fast leer, lediglich ein Fahrzeug ist gerade kurz vor uns angekommen. KFZ-Kennzeichen B. Klar, dass wir schnell ins Gespräch kommen und uns mit Antje und Volker am nächsten Abend zum Essen verabreden. Die Duschen und WCs des Platzes sind unter einem Holzverschlag und lediglich mit Vorhängen „verschlossen“. Das Duschwasser hat die gleiche Temperatur wie der Fluss. Das ist in der Nachsaison für viele abschreckend. Wir sind hart im Nehmen und freuen uns über die Gesellschaft zweier Kühe am Morgen, die die große Freifläche zum Grasen nutzen.
Die Verständigung in Montenegro klappt gut. Ein Mix aus Englisch und Deutsch mit montenegrinischem Akzent führt nur manchmal zu lustigen Missverständnissen. So erhalten wir am Abend im Restaurant z. B. „Chickencheese“ als Vorspeise vom Haus. Volker, Antje und wir brauchen einen kleinen Moment um unser Lachen abzustellen und uns auf „Ziegenkäs“ als Übersetzung zu einigen. Zwei weitere Tage halten wir es noch aus, aber dann zieht es uns wieder ans Meer, vor allem, weil die Abende am Fluss zum Draußensitzen einfach schon zu kalt sind. Ulcinje heißt unser nächstes Ziel. Ein langer, leerer Strand, aber auch geschlossene Minimärkte sind Zeichen der Nachsaison. Wir waschen unsere Wäsche und genießen die heiße Dusche. Tagsüber haben wir das Meer fast für uns allein, obwohl es sehr sauber und noch nicht Nordsee-kalt ist. Einen Tag vor Abfahrt regnet es, aber auch dafür haben wir eine Lösung: Wir kuscheln uns in unsere Daunendecke im Bussi und gucken uns einen von über 20 Filmen an, die Dennis in weiser Voraussicht aufs IPad geladen hat. Wir hängen noch einen Tag dran, damit alles trocknen kann und machen uns dann auf den Weg nach Albanien. Beinahe überfahren wir zwei Schildkröten, die wir aber noch rechtzeitig sehen, bremsen und über die Straße tragen. Jetzt gehts aber wirklich wieder der Sonne entgegen.

Mittwoch, 27. September 2017

Kroatien und was davon bleibt...

In einer Werkstatt in Catania wird der Fehler am Bussi behoben und wir sollen nichts dafür bezahlen, weil es wohl nur eine Kleinigkeit gewesen sei. An der Ostküste Siziliens finden wir einen schönen  Campingplatz direkt am Meer, von dem aus wir endlich mal mit dem Zug fahren können. Wir lieben beide das Bahnfahren. Tickets gibt es nur leider nicht im Zug. Wir hätten sie vorher in einer Bar oder im Eisladen kaufen müssen. So werden wir quasi zu Schwarzfahrern und müssen Strafe bezahlen. Mit 5 Euro Aufschlag pro Ticket ist das aber zu verschmerzen. Wir schauen uns Taormina an, das wirklich traumhaft schön, aber auch jetzt im September noch ganz schön voll ist.  Von Messina aus geht es dann per Fähre, die mit 50,00 Euro für 20 Minuten Fahrt unverhältnismäßig teuer ist, zurück aufs Festland. In Apulien entscheiden wir uns mal wieder vogelfrei und einsam am Strand zu stehen. Auch dieses Mal geht das wieder hervorragend. In Bari wollen wir am nächsten Abend die Fähre nehmen und vertreiben uns den Tag in dieser hübschen Hafenstadt. Als wir zum Auto zurückkommen, haben wir nette Post von der Polizei an unserer Windschutzscheibe. Wir können nichts wirklich lesen und das nicht nur, weil unser Italienisch nicht ausreicht. Wir sind aber schon so entspannt, dass wir das vorerst ignorieren.
Passend zum wilden Armgefuchtel des Einweisers beim Parken auf der Fähre, das uns dann einige Kratzer am Spiegel eingebracht hat, verläuft auch die Überfart nach Dubrovnik nicht ganz ohne Schaukelei. Am nächsten Morgen dort angekommen, schauen wir uns das Weltkulturerbe an und entscheiden nach kurzer Überlegung, dass wir noch heute Kroatien verlassen. Somit ändern wir bereits zum zweiten Mal unsere Pläne und freuen uns auf Montenegro.